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TAG | Sexismus

Jul/09

10

Linker Gesinnungsterror: JVP 1:0

Die Junge ÖVP Wien unter Obmann Sebastian Kurz, zugleich auch Bundesobmann der JVP, möchte das Sommerloch mit einer Sommerkampagne füllen. Gemeinsam mit Bundesminister und ÖVP-Wien-Vorsitzendem Johannes “Gio” Hahn präsentierte Kurz den Vorschlag, die U-Bahnen sollen in Wien 24/7 fahren. Die entsprechende Kampagne heißt “24 Stunden Verkehr!” und ist in guter JVP-Tradition klarerweise eine Anspielung auf Sex.1 Soweit, so billig, platt und einfallslos.2 Aber – es erregt Aufmerksamkeit. Vor allem bei den, zu meinem Bedauern, inhaltsarm in automatisierten Abläufen festhängenden Linken (siehe zB die Links in Fußnote 1).3

Den, die Kampagne hatte ursprünglich 3 Sujets. Neben diesem Plakat
jvp_verkehr
gab es auch noch den Mann und die Frau allein:
jvp_Halbnackt
Die rotgrüne WächterInnenrätin war sofort zur Stelle um die sexistische Kampagne zu ächten. Leider fehlt ihr noch die Kompetenz Sebastian Kurz für die Kampagne hinrichten zu lassen, aber das kommt sicher auch bald.

Aber ernsthaft. Es geht klarerweise um das Sujet mit der halbnackten Frau. Eine vorgebrachte Kritik ist, dass es sich dabei um Sexismus handle, weil der Mann viel mehr anhabe als die Frau (A). Eine weitere ist die, dass das egal ist, da es jedenfalls die Menschen auf ihre Körper reduziere (B). Eine andere Erklärung für die Kritik sei, so zumindest Poster in diversen Foren, dass es bei den Linken nur hässliche Frauen gebe und wenn es nach denen gehe, dürfen nur noch Schwule und hässliche Frauen plakatiert werden (C).

A und B sind miteinander insofern verbunden, als B A in einer gewissen Weise beinhaltet, nur ohne die Differenzierung. Jedenfalls ist B aber die “stärkere” Aussage insofern als es nicht um Geschlechterparität sondern um eine absolute Definition geht. C ist meine persönliche Lieblingserklärung, trifft aber wohl nur auf einige wenige zu. A und B aber benötigen einen konturlosen “erweiterten” Sexismus-Begriff um zuzutreffen.

Allgemein könnte man unter Sexismus Diskriminierung oder Unterdrückung von Menschen allein wegen ihres Geschlechts verstehen. Aber, Wikipedia klärt auf, “Heute stehen verschiedene Definitionen von Sexismus nebeneinander.” Angeführt werden dafür
a) dass “in der Psychologie Sexismus über „stereotype Merkmalszuschreibungen“ definiert” wird
b) dass in der Soziologie “mehr der strukturelle Aspekt des Sexismus betont” wird. “Hier heißt es, dass Sexismus kulturell bedingt, institutionell verankert und individuell verinnerlicht sei.”
c) dass im “Postfeministischen Diskurs” Sexismus viel weiter definiert werde. “Hier wird es bereits als Sexismus betrachtet von anderen zu erwarten oder zu verlangen, dass sie Geschlechternormen verkörpern.”
Das ist nicht besonders hilfreich, da a) und c) sich nicht wirklich unterscheiden und b) keine Definition ist sondern eine Theorie der Genese des Sexismus andeutet. Die Definitionen kommen ohne weiteren Schaden der jemand zugefügt wird aus. Der Schaden ist der Sexismus an sich. Vor allem aber, so man Wikipedia Qualität beimisst (was ich, insbesondere bei der deutschen, so nicht unterschreiben würde), ist dies ein starkes Indiz dafür dass “Sexismus” tatsächlich ein konturloser Begriff ist der in seiner Beliebigkeit näher an der Sinnlosigkeit als an sonst was ist. Aber ok – ich kann niemand außer den Autoren die Wikipediadefinition vorwerfen.

Wenn wir unter Sexismus Diskriminierung oder Unterdrückung von Menschen allein wegen ihres Geschlechts verstehen, dann ist das Sujet der JVP nicht sexistisch. Dazu braucht es eine Definition in Richtung der Wikipediadefinitionen. Gehen wir nun ins Detail:

Sujet 1 zeigt einen allen gängigen Schönheitsidealen entsprechenden Mann in sommerlicher Kleidung, lächelnd. Nicht besonders sexualisiert dargestellt, aber sicherlich (für die Zielgruppe? für die durchschnittlich dumme junge Frau? in die Richtung etwas) attraktiv. Sujet 2 zeigt eine allen gängigen Schönheitsidealen entsprechende Frau. Deutlich spärlicher bekleidet. Für Fußfetischisten (?) klar. Das Schild vor ihren Brüsten 4kann aber auch ein Spiel mit Tabus (die ua von der Richtung aus der die Kampagne kommt hochgehalten werden) sein. Außerdem ist nichts an dem Sujet 2 so eindeutig sexualisiert (nackt, gespreizte Beine, Sprechblase “fick mich”) dass es sich nicht schlicht um eine Interpretation handeln könnte. Der Art “Ich sehe ein halbnackte Frau, dass muss ein reines Sexobjekt sein” – das spielt sich im Kopf der Betrachtenden ab, und ist nicht im Sujet enthalten. Wir haben also zwei Sujets von jungen, nach gängigen Schönheitsidealen attraktiven Menschen. Wenn man jetzt, was man kann, argumentiert die Sexualisierung komme durch das “24 Stunden Verkehr” scheidet Argumentation A (s.o.) aus, nebenbei bemerkt. Dann wär jede als irgendwie sexuell interpretierbare Darstellung attraktiver Menschen (also jede, das ist der Attraktivität immanent) sexistisch.

Ein Beispiel – Frau X, nach gängigen Schönheitsidealen attraktiv, zieht sich sehr knapp an, weil sie Lust auf einen OneNightStand hat. Es geht rein um ein kurzes, körperliches Vergnügen. Dafür “reduziert” sie sich selbst und den gesuchten Partner, der dies ebenso macht, auf ihre Körper, wesentlich auf Geschlechtsmerkmale. Frau X ist also sexistisch, sowohl gegen Männer, als auch gegen Frauen. Die Freiwilligkeit und Selbstbestimmung können hier nicht als Argument herhalten, die Plakatmodels werden ja nicht dazu gezwungen, sondern für ihre Arbeit bezahlt.

Kritik A 5 würde hingegen eine solche Darstellung theoretisch akzeptieren, sofern beide Geschlechter gleich betroffen sind. Allerdings würde dies ziemlich sicher in einer heterosexuellen Interpretation enden, womit man die Darstellung um Lesben und Schwule erweitern müsste. Genau genommen auch um Transgender und Bisexuelle. Und folgt man der Wikidefinition, ist das immer noch sexistisch, weil man Menschen über ihre Geschlechtsmerkmale definiert die man ihnen vorher zuschreibt (wie “Brüste haben”). Worauf ich hinaus will – das ist nicht nur wildgewordene Sprachwissenschaft (Es gibt einfach biologische Fakten. Wer das negiert lehnt jede sinnvolle Diskussion ab), das ist auch unpraktikabel (was außerhalb des Elfenbeinturms und der geschlossenen Kammer der politisch Korrekten ein Argument gegen etwas ist), und letztlich lächerlich weil es in einem unbedeutenden Teilbereich nach unerreichbarer absoluter Gerechtigkeit strebt. A kann also theoretisch aufrecht erhalten werden, allerdings nimmt man damit alles oben genannte in Kauf.

Man kann jetzt Ausnahmen/Sonderregeln einführen die alle oben genannten Probleme behebe. Ohne Zweifel. Allerdings würde dann einer ohnehin schon an der Sinnlosigkeit schrammenden Definition Willkür hinzugefügt, womit sie endgültig beliebig und damit sinnlos wäre, weil dann jeder seinen ganz privaten Sexismusbegriff haben könnte (und wenn jeder private Begriffe hätte, wäre keine sinnvolle Kommunikation möglich, sofern es soetwas wie private Begriffe überhaupt geben kann).

Worauf ich hinaus will – Frauen nur bestimmte Berufe zu erlauben, für gleiche Arbeit weniger zu bezahlen als Männern, sie als Besitz von Männern betrachten, all diese Dinge die früher üblich waren – das ist Sexismus. Die JVP-Kampagne ist eine einfallslose Kampagne mit hübschen Menschen die bei einigen Jugendlichen Hormonwallungen auslösen.

Zum Titel – die JVP Wien hat die beiden Sujets 1 und 2 inzwischen von ihrer Website entfernt.

  1. Die JVP findet anscheinend keine anderen Mittel ihre “Inhalte” zu präsentieren als mittels Sex nach Aufmerksamkeit zu haschen. Die Wiener etwa in ihren Kampagnen “Politik begreifbar machen” und pro E-Voting, die Salzburger ebenfalls schon zu einem Verkehrsthema.
  2. Was nicht heiß dass es nicht genug Dumme gibt die das toll und witzig und ansprechend finden.
  3. Das kann ich hier jetzt nicht näher Ausführung, aber die These will ich später mal genauer erläutern.
  4. Die keineswegs nackt sein müssen. Ihr Oberteil vom Plakat das beide zeigt kann auch einfach sehr bauchfrei sein
  5. In einer schwächeren Form, wo es egal was, nur darum geht dass beide Geschlechter davon gleich betroffen sind und es sonst nicht um politische Korrektheit geht, erübrigt sich das folgende, klar. Allerdings sehe ich nichts was für so eine Definition sprechen würde, solange sich irgendwelche Unterschiede zwischen Männern und Frauen beweisen lassen und in der Gesellschaft nicht alles exakt im Verhältnis der Geschlechter aufgeteilt ist.

Grüne · Homosexualität · JVP · Linke · Sex · Sexismus · SPÖ

Jun/09

11

Neue Männerparteien braucht das Land?

Ich habe sowohl die erste Männerpartei , als auch die neu gegründete Neue Männerpartei in E-Mail-Interviews kurz vorgestellt. Nun möchte ich beide Parteien anhand der Informationen die sie auf ihren Websites zur Verfügung stellen, näher vergleichen. Es folgt nun allerdings keine detaillierte Analyse aller Punkte, sondern eine vergleichende Kritik an einigen die mir ins Auge gefallen sind.

Die Männerpartei gibt es schon etwas länger als die Neue Männerpartei, wie deren Name vermuten lässt. Vielleicht auch deshalb findet man, erst einmal rein quantitativ, deutlich mehr Inhalt auf deren Website. Auch erfährt man von der Männerpartei dass sie tatsächlich nicht nur aus einem Mann besteht, sondern zumindest einen mehrköpfigen Vorstand hat (100 % Männerquote), Oliver Peter Hoffmann ist nach wie vor Vorsitzender. Bei den “neuen Männern” findet man dagegen keinen Hinweis auf andere Personen als Martin Drucker. Außerdem scheint Hoffmann deutlich “umtriebiger” zu agieren, zB in dem er in das politische Web 2.0 in Österreich eingetreten ist (er twittert, war beim Politcamp, beschäftigt sich mit den Grünen Vorwahlen – etwas ähnliches soll es auch bei der Männerpartei geben), oder es zB schon in die “Woman” geschafft hat.

Zum Inhalt. Die Satzungen der beiden Parteien enthalten jeweils das übliche, das rechtlich notwendige, und das zu erwartende BlaBla. Kein Vorwurf an dieser Stelle, so sehen Satzungen nun einmal aus. Unterschiede sind kaum auszumachen, außer dass die Satzung der Neuen Männerpartei länger ist, und es bei der Männerpartei neben Mitgliedern auch Partner gibt, wohinter das Vorbild “Grüne Vorwahlen” steht. Die Männerpartei setzt sich für die “Anliegen der Männer” ein, die Neue Männerpartei für die “Förderung der Interessen”. Geschlechtergerechte Sprache findet erwartungsgemäß nicht statt.

Neben der Satzung hat die Männerpartei auch ein Parteiprogramm sowie drei FAQs, die Neue Männerpartei hat eine Liste mit Forderungen. Bei der Männerpartei sticht mir gleich im ersten Absatz ein Satz ins Auge:

Aktivitäten der Männerpartei zielen niemals auf eine Diskriminierung nach Hautfarbe, Nationalität, Alter oder Religionszugehörigkeit ab.

Ein Kriterium dass in solchen Auflistungen üblicherweise vorkommt, fehlt, ne? [Update: Nicht nur Geschlecht, sondern auch sexuelle Orientierung fehlt; Hinweis von Marco Schreuder.] Darüber gibt es im Kommentarbereich der FAQs eine Diskussion. Dabei wird auch auf die “natürlichen Unterschiede” von denen im Programm die Rede ist eingegangen, eine sehr dumme Sicht der Dinge wie ich finde (wie alle Pauschalierungen überhaupt)1.

Einen weiteren Absatz verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz:

Es ist Aufgabe der Politik, natürliche Defizite der Geschlechter durch Anwendung von Technologie und gesetzlichen Maßnahmen auszugleichen. Dieser Ausgleich hat durch Förderung des jeweils schwächeren Geschlechts zu erfolgen, nicht durch Behinderung des jeweils stärkeren Geschlechts. Maßnahmen, die ihre Effizienz an dem verhältnismäßigen Erfolg der Geschlechter messen, wie zum Beispiel Quotenregelungen, sind daher abzulehnen.

Ablehnung von Quotenregeln, klar. Das man nicht “Starke” schwächen, sondern “Schwache” stärken sollte, ist einleuchtend und vernünftig. Nur den Technologie-Teil, den versteh ich so gar nicht.

Aber zu den Forderungen: (weiterlesen…)

  1. Mich empört dies in Schuldebatten deshalb, weil ich von einer angeblich “Bubengerechten” Erziehung massiv gehemmt worden wäre, da ich zB in Mathe und Technik nie einen Funken von Talent oder Interesse hatte.

Abtreibung · Ethik · FPÖ · Männerpartei · Neue Männerpartei · Sexismus

Apr/09

20

Männerparteien

In Österreich gibt es seit letzem Jahr eine Männerpartei, mit der ich hier ein kurzes E-Mal-Interview geführt habe. Martin Drucker war im Umfeld der Partei dabei, wurde aber nicht Mitglied, da ihn nach eigenen Angaben “die undemokratische Struktur dort” abschreckte. Jetzt hat er eine eigene Männerpartei, die Neue Männerpartei, gegründet, wie ich via Politik-Forum erfahren habe. Am 19. April war Gründungsparteitag. Aus diesem Anlass habe ich ihm dieselben Fragen gestellt (wiederum per E-Mail), wie dem Vorsitzenden der Männerpartei, Oliver Peter Hoffmann, zu deren Parteitag im August 2008.

Feuerhaken: Hat ihr Parteitag wie geplant am 30. August stattgefunden und was wurde beschlossen?
Drucker: Der Parteitag hat wie geplant stattgefunden, mit dem Ergebnis, daß ich, Martin Drucker, zum Parteivorsitzenden gewählt wurde.

Einige Parteien haben eine mind 50 % Frauen-Quote. Die SPÖ hat eine Quote nach der mind. 40 % eines Geschlechts im Nationalrat sitzen soll. Begrüßen Sie diesen Schritt, oder sind sie generell gegen Quoten?
Die Neue Männerpartei Österreichs spricht sich generell gegen Quoten aus.

Wie stehen sie zum Feminismus allgemein und wie stehen sie zu Errungenschaften des Feminismus, wie etwa der Straffreiheit von Abtreibungen innerhalb der ersten drei Monate, konkret?
Für mich handelt es sich bei der Abtreibung um keine Errungenschaft, sondern sie ist Zeichen der Menschenverachtung. Wir bekennen uns, im Gegensatz zur Männerpartei von Oliver Hoffmann, zur Verantwortung beider Elternteile für das Kind. Das bedeutet, daß dem Kindesvater ein Einspruchsrecht bei einer geplanten Abtreibung zustehen soll, ohne dem ein solcher Eingriff illegal sein soll. Immerhin werden Väter auch zur Zahlung von Allimenten verpflichtet.

Gibt es Feministinnen bzw Strömungen des Feminismus, mit denen Sie “etwas anfangen können”?
Ich habe großen Respekt vor starken Frauen jeder Art, aber Ideologien, die auf Ausgrenzung Andersartiger beruhen stehe ich skeptisch gegenüber.

Warum sollte eine Frau die Männerpartei wählen bzw. setzen sie sich für Männer, oder für Gleichberechtigung ein?
Ein guter Grund für eine Frau, die Neue Männerpartei Österreichs zu wählen, wäre z.B. für Mütter, daß sie nicht zusehen wollen, wie ihre Söhne in der Schule diskriminiert und ausgegrenzt werden. Ich spreche hier konkret den “Töchtertag” an, der am 23. April wieder einmal an den Schulen durchgeführt wird. Die Neue Männerpartei Österreichs plant einen Boykottaufruf gegen die daran beteiligten Unternehmen.

Männerpartei · Neue Männerpartei · Sexismus

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