Mit dem vergangenen (Palm)Sonntag hat die Karwoche begonnen, doch statt demütig dem Sterben und Auferstehen ihres Herrn Jesu Christi entgegen zu fasten, schickt die Österreichische Volkspartei ihre beiden Speerspitzen, Klubobmann Karlheinz Kopf und Generalsekretär Fritz Kaltenegger, aus, um klarzustellen, dass die landläufigen Definitionen von “staatstragend” und “Demokratie” falsch sind.
Die Wahrheit ist vielmehr:
Staatstragend
Eine Partei ist staatstragend genau dann wenn sie in Situationen in denen für sie kein Zugewinn an Macht möglich ist, auf Äquidistanz zu allen möglichen Optionen geht. Dabei sind die Inhalte dieser Optionen irrelevant. Für alle denen das zu theoretisch ist, illustriert Klubobmann Kopf dies an einem praktischen Beispiel. Bei den Bundespräsidentschaftswahlen hat die ÖVP bekanntlich niemand ins Rennen geschickt. Also kann auch niemand von der ÖVP gewählt werden. Daher wählt Kopf (u.a.) weiß, also ungültig.
Damit hält die ÖVP Äquidistanz zwischen einem überzeugten liberalen Demokraten mit jahrzehntelanger politischer Erfahrung, der sich in seiner ersten Amtsperiode keinen groben Fehler geleistet hat, einer Frau die sich nichteinmal glaubwürdig vom Nationalsozialismus distanzieren kann, jedenfalls zum rechtsextremen Rand Kontakte hat und straffrei Kellernazi genannt werden darf, und einem christlichen Fundamentalisten der sich zurück ins Mittelalter sehnt. Man sieht also, die landläufige Meinung, es könne für eine staatstragende Partei der Mitte so schwer nicht sein, sich zwischen diesen drei Positionen zu entscheiden, ist falsch.
Demokratie
Der einfache Mensch von der Straße hängt oft noch dem Demokratiebild “Regierung vs. Opposition” nach, das davon ausgeht dass die Opposition, klarerweise nicht immer mit der Regierung einer Meinung, durchaus gewillt ist, die Regierung schlecht dastehen zu lassen, um nach der nächsten Wahl selbst an die Macht zu kommen. Aus eben diesen Gründen die beobachte sie Regierung auf Schritt und Tritt und notiert jeden Fehler und alle Skandale. Somit übernähme sieaus Eigeninteresse eine wesentliche Kontrollfunktion in der Demokratie. Das ist falsch.
Wahr ist vielmehr, dass die Opposition sich nicht aufregen darf, durch eine Wahlrechtsreform ausgeschalten zu werden, wenn sie vorher immer anderer Meinung als die Regierung bzw. die ÖVP ist, also nicht konstruktiv arbeitet sondern immer nur kritisiert und Untersuchungsausschüsse einrichten will. Erschwerden kommt im konkreten Beispiel von Generalsekretär Kaltenegger hinzu, dass die Oppositionsparteien ohnehin keine großen Wahlsiege feiern, daher kann sich wirklich niemand aufregen, wenn man diese unnötigen Parteien in die Bedeutungslosigkeit schickt.
Wir sehen also, dass jemand der sich unter einer staatstragenden Partei eine Partei vorstellt, die sich ohne zu zögern gegen Extremismus stellt und sich zu Demokratie bekennt, auch wenn sie keinen Vorteil davon hat, ein Trottel ist. Und genauso ein Trottel ist, wer sich unter Demokratie ein Bekenntnis zur gewachsenen Pluralität einer Parteienlandschaft und zur Notwendigkeit einer starken Opposition bekennt, die man nicht einfach abschaffen kann.
Oder?


