Neue Männerparteien braucht das Land?
Ich habe sowohl die erste Männerpartei , als auch die neu gegründete Neue Männerpartei in E-Mail-Interviews kurz vorgestellt. Nun möchte ich beide Parteien anhand der Informationen die sie auf ihren Websites zur Verfügung stellen, näher vergleichen. Es folgt nun allerdings keine detaillierte Analyse aller Punkte, sondern eine vergleichende Kritik an einigen die mir ins Auge gefallen sind.
Die Männerpartei gibt es schon etwas länger als die Neue Männerpartei, wie deren Name vermuten lässt. Vielleicht auch deshalb findet man, erst einmal rein quantitativ, deutlich mehr Inhalt auf deren Website. Auch erfährt man von der Männerpartei dass sie tatsächlich nicht nur aus einem Mann besteht, sondern zumindest einen mehrköpfigen Vorstand hat (100 % Männerquote), Oliver Peter Hoffmann ist nach wie vor Vorsitzender. Bei den “neuen Männern” findet man dagegen keinen Hinweis auf andere Personen als Martin Drucker. Außerdem scheint Hoffmann deutlich “umtriebiger” zu agieren, zB in dem er in das politische Web 2.0 in Österreich eingetreten ist (er twittert, war beim Politcamp, beschäftigt sich mit den Grünen Vorwahlen – etwas ähnliches soll es auch bei der Männerpartei geben), oder es zB schon in die “Woman” geschafft hat.
Zum Inhalt. Die Satzungen der beiden Parteien enthalten jeweils das übliche, das rechtlich notwendige, und das zu erwartende BlaBla. Kein Vorwurf an dieser Stelle, so sehen Satzungen nun einmal aus. Unterschiede sind kaum auszumachen, außer dass die Satzung der Neuen Männerpartei länger ist, und es bei der Männerpartei neben Mitgliedern auch Partner gibt, wohinter das Vorbild “Grüne Vorwahlen” steht. Die Männerpartei setzt sich für die “Anliegen der Männer” ein, die Neue Männerpartei für die “Förderung der Interessen”. Geschlechtergerechte Sprache findet erwartungsgemäß nicht statt.
Neben der Satzung hat die Männerpartei auch ein Parteiprogramm sowie drei FAQs, die Neue Männerpartei hat eine Liste mit Forderungen. Bei der Männerpartei sticht mir gleich im ersten Absatz ein Satz ins Auge:
Aktivitäten der Männerpartei zielen niemals auf eine Diskriminierung nach Hautfarbe, Nationalität, Alter oder Religionszugehörigkeit ab.
Ein Kriterium dass in solchen Auflistungen üblicherweise vorkommt, fehlt, ne? [Update: Nicht nur Geschlecht, sondern auch sexuelle Orientierung fehlt; Hinweis von Marco Schreuder.] Darüber gibt es im Kommentarbereich der FAQs eine Diskussion. Dabei wird auch auf die “natürlichen Unterschiede” von denen im Programm die Rede ist eingegangen, eine sehr dumme Sicht der Dinge wie ich finde (wie alle Pauschalierungen überhaupt)1.
Einen weiteren Absatz verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz:
Es ist Aufgabe der Politik, natürliche Defizite der Geschlechter durch Anwendung von Technologie und gesetzlichen Maßnahmen auszugleichen. Dieser Ausgleich hat durch Förderung des jeweils schwächeren Geschlechts zu erfolgen, nicht durch Behinderung des jeweils stärkeren Geschlechts. Maßnahmen, die ihre Effizienz an dem verhältnismäßigen Erfolg der Geschlechter messen, wie zum Beispiel Quotenregelungen, sind daher abzulehnen.
Ablehnung von Quotenregeln, klar. Das man nicht “Starke” schwächen, sondern “Schwache” stärken sollte, ist einleuchtend und vernünftig. Nur den Technologie-Teil, den versteh ich so gar nicht.
Aber zu den Forderungen:
Beide fordern das Ende der Wehrpflicht nur für Männer. Unterschreib ich sofort. Väter als Väter ernster nehmen, unterschreib ich ebenfalls sofort. Mehr männliche Bezugspersonen in Kindergärten und Schulen. Unterschrieben. Praktisch ident ist auch die Forderung beider Parteien, nach “gleichem Lohn für gleiche Leistung”, und zwar bei der Polizei. Dort müssen Frauen nämlich geringere körperliche Voraussetzungen erfüllen, als Männer. Das halte ich zwar für vernünftig nicht argumentierbar, aber auch nicht für übertrieben problematisch. Außerdem fordern beide Parteien die Angleichung des Pensionsantrittsalters für beide Geschlechter. Unterschreibe ich sofort, kommt dank EU aber eh in absehbarer Zeit. Beide wollen jede Quotenregelung abschaffen. Das steht für mich in Widerspruch zur Idee von mehr männlichen Bezugspersonen im Schulwesen zu schaffen. Persönlich halte ich eine Quotenregelung wie die von Barbara Prammer (SPÖ) vor einigen Jahren für die Partei vorgeschlagene, nämlich 40% Mindesquote für beide Geschlechter für einige Bereiche für tauglicher 2.
Die Männerpartei fordert das Recht für alle Männer, die ihnen von der Mutter zugeschriebene Vaterschaft überprüfen lassen zu dürfen. Das ist bisher, ohne die Zustimmung der Mutter, nur möglich, wenn sie das Kind in gemeinsamer Obsorge habe. Klingt vernünftig. Außerdem fordert die Männerpartei noch “Schluss mit Verleumdung, Unterstellung und Verhetzung” von Männern, und zitiert dabei die, tatsächlich ziemlich problematische Kampagne von Ex-Frauenministerien Doris Bures “Verliebt, Verlobt, Verprügelt“.
Die Neue Männerpartei hat ebenfalls in diese Richtung gehende Forderungen, etwa die Aufwertung des Internationalen Männertages am 3. November. Ich persönlich bin ja eher dafür diesen, wie den Internationalen Frauentag, einfach abzuschaffen. Weiters fordert sie ein Subventionierungsverbot sexistischer und männerfeindlicher Organisationen, wie angeblich in Wien das “Kosmos-Theater” oder “Radio Orange”3. Grundsätzlich finde ich, sollte man die meisten Dinge die heute unter “sexistisch” laufen (zB in der Werbung) so lassen wie sie sind, da sie im wesentlichen aufgrund des hysterischen Geschreis von Feministinnen plötzlich “sexistisch” und nicht mehr “lustig”, “interessant”, “Kunst”, “egal”, “provokant”, etc. sind. Konkret kann ich dazu nichts sagen, da ich die Beispiele nicht kenne. Allgemein scheint eine Subventionierung einer tatsächlich männerfeindlichen Organisation (gens0au wie einer tatsächlich frauen-, juden-, muslim-, christen-, etc.-feindlichen) unangebracht, ja. Außerdem soll das “Männerministerium” wieder eingerichtet werden. 4
Damit komme ich zu zwei schwierigen bzw. problematischen Forderungen der Neuen Männerpartei. Unter “Mehr Rechte von Kindesvätern” fordern sie dass der Kindesvater im Falle einer geplanten Abtreibung ein Vetorecht hat, und dass eine Abtreibung ohne die Zustimmung des Kindesvaters illegal sein sollte. Das ist die schwierige Forderung, den in der Tat scheint es nicht argumentierbar, wieso ein Mann der an der Zeugung beteiligt ist, und infolge dessen, massiv mit Pflichten belastet, für eine Frist von 9 Monaten keine Rechte haben sollte. Das einzige Argument dafür dass mir einfällt, ist das “Mein Körper Meine Entscheidung”-Argument das aber selbst problematisch ist, weil die logische Struktur so aussieht, dass jeder Mensch von dem jemand abhängig ist, über diesen Abhängigen vollkommen verfügen darf, auch über sein Leben. Vieles dreht sich hier um die in allen Abtreibungsbezogenen Debatten ohnehin zentrale Frage, wann man den Beginn von menschlichem Leben ansetzt (lediglich gegen “ab der Befruchtung” und “ab der Geburt” gibt es gute Argumente, der Rest ist sehr diffus). Meine Widergabe der Argumente hier ist sehr verkürzt und unvollständig, einfach weil die Debatte auch dieser konkreten Frage den Umfang eines Blogeintrages jedenfalls sprengt. Außerdem bin ich nicht in der Lage, die Frage abschließend zu beurteilen. Neben den theoretischen Fragen, spielen auch praktische Argumente hinein. Wenn ich mir vorstelle, der betroffene Kindesvater zu sein, bin ich sofort für diese Regelung. Wenn ich aber an alle möglichen Probleme denke die durch so eine Regelung auftreten können, muss ich schon wieder zweifeln. Deshalb bewerte ich diese Forderung einfach nicht anders als “schwierig”.
Die zweite Forderung, die problematische, ist dagegen einfacher zu Beurteilen. Die Forderung nach einem “Verbot von Zwangsgenitalverstümmelung” ist nicht deshalb problematisch, weil es Religionen gestattet sein sollte, aus ihrem Ritus heraus, grundlos Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit eines Menschen vorzuschreiben bzw. vorzunehmen. Das ist klar abzulehnen. Das Problem ist die offene Gleichssetzung der Beschneidung eines Mannes mit der Genitalverstümmelung bei Frauen was einfach hirnrissig und verharmlosend ist. Außerdem wird nicht auf die mögliche medizinische Notwendigkeit einer Beschneidung eingegangen.
Unter “Sonstige Positionen” vertritt die Neue Männerpartei auch noch ein paar Standpunkte die nicht unmittelbar mit den bisherigen Themen zu tun haben. Die Partei bekennt sich zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz und lehnt den Individualverkehr und den “damit verbundene Lebensstil, auf dem Land im Haus mit Garten zu wohnen, während man in der Stadt arbeitet” aus “ökologischer Sicht” ab. Außerdem sei ja auch die aktuelle Wirtschaftskrise dadurch entanden, dass “Häuselbauer sich ihren Lebensstil eigentlich gar nicht leisten konnten, aber aus politischen Motiven trotzdem Kredite erhielten”. Abgesehen davon dass wohl die wenigsten Menschen die nicht im Wiener Speckgürtel wohnen, gerne und freiwillig pendeln, und eine vernünftige öffentliche Alternative zu langen Autofahrten nicht nutzen würden, kann man die amerikanische Immobilienblase nicht 1:1 auf Österreich übertragen. Jedenfalls fordert die Neue Männerpartei “Tempo 80 auf Landstraßen, keine Verbilligung von Treibstoffen und konsequentes Zurückdrängen des mit dem “American Way of Life” verbundenen Individualverkehrs”.
Der zweite Punkt unter “Sonstige Positionen” enthält ein Bekenntnis zum Patriotismus. Die Neue Männerpartei lehnt “die liberalen Entwicklungen in diesem Land ab, die zur Bildung von Parallelgesellschaften integrierungsunwilliger Ausländer mit oder ohne österreichischer Staatsbürgerschaft (die leider viel zu oft “nachgeschmissen” wird) ab”. Sie fordert, dass wer “in diesem Land lebt, [...] nicht nur mit dem Kopf “Österreicher” sein [soll], sondern auch mit dem Herzen, sonst hat er hier nichts verloren.”. Diese Diktion ist doch von irgendwoher bekannt. Richtig! Parteigründer Martin Drucker ist auch erst wegen der Gründung der Neuen Männerpartei aus der FPÖ ausgetreten. Außerdem verlinkt er auf den “Genderwahnsinnigen” Karlheinz Klement, ehemals FPÖ und nach seinem Rausschmiss ua Kumulationspunkt von Verschwörungstheorien und antisemitischen Ausfällen um den Tod von Jörg Haider. Dies unterscheidet die Neue Männerpartei deutlich von der Männerpartei, die ausdrücklich empfiehlt (als selbst (noch) nicht wahlwerbende Gruppierung) nicht FPÖ zu wählen.
- Mich empört dies in Schuldebatten deshalb, weil ich von einer angeblich “Bubengerechten” Erziehung massiv gehemmt worden wäre, da ich zB in Mathe und Technik nie einen Funken von Talent oder Interesse hatte. ↩
- Eva Glawischnig reagierte auf diesen Vorschlag übrigens mit der Frage, wo dann die restlichen 20 % herkommen sollen. Einer der Gründe wieso ich sie nie wählen werde. ↩
- “angeblich” deshalb, weil ich es einfach nicht sagen kann ↩
- Die Reste des unter Schwarz/Blau-Orange eingeführten Ministeriums sind momentan die Abteilung 5 in Sektion V für männerpolitische Grundsatzfragen im Sozialministerium. ↩



Betreffend das “Mein Körper, meine Entscheidung” Argument kann ich nicht ganz folgen: Du fändest grundsätzlich nichts dabei, dass ein Mann eine Frau zwingen könnte, gegen ihren Willen sein Kind zur Welt zu bringen? Wirklich? Einerseits soll es problematisch sein, dass die Frau einfach so über ein gänzlich von ihr abhängiges Leben bestimmt, andererseits fändest du es vertretbar, dem Mann einfach so ein Vetorecht gegen eine der persönlichsten und folgenreichsten Entscheidungen, die eine Frau überhaupt treffen kann, einzuräumen? Die Frau soll nicht bestimmen dürfen, weil das Kind total von ihr abhängig ist. Der Mann aber soll bestimmen dürfen, obwohl dann die Frau total von ihm abhängig wäre. Das ist ein Wertungswiderspruch wie er sexistischer gar nicht sein könnte.
Verständlich ist ja, dass man als Vater auch gern in den Entscheidungsprozess einbezogen werden möchte, freilich. Aber Vetorecht? Die Frage ist meiner Meinung nach alles andere als schwierig…
“Dabei wird auch auf die “natürlichen Unterschiede” von denen im Programm die Rede ist eingegangen, eine sehr dumme Sicht der Dinge wie ich finde (wie alle Pauschalierungen überhaupt)1.”
Was ist daran dumm? Dass es natürlich Unterschiede in Biologie und Interessen gibt, ist seit ca 30 Jahren gut dokumentiert und bewiesen. Natürlich sind nicht alle Ausprägungen bei allen Männern und Frauen zu sehen, aber egal was man versucht hat (bis zu fürchterlichen Versuchen, wo man einen männlichen Zwilling als Mädchen aufzog, was mit Depressionen und Gewaltausbrüchen des Kindes einherging, dass sich, als es vom “Experiment” erfuhr sofort wieder zum Mann operieren lies um sich dann mit 34 das Leben zu nehmen), es gibt beweisbare Unterschiede, die nicht im geringsten von Erziehung und Kultur bestimmt sind. Dies zu Verleugnen ist vergleichbar mit Kreationisten, die stur an ein Märchenbuch glauben und jede wissenschaftliche Erkenntnis ihrem Glauben unterordnen.
Eine “dumme” Sicht der Dinge ist also das Leugnen der Unterschiede, da es auf blindem Glauben und Ideologie basiert, nicht auf Realität und Wissenschaft.
Wichtig wäre ein erster Schritt, der dem Vater das Gleiche Recht wie der Mutter zugesteht: der Vater darf sich ebenso wie die Frau gegen das Kind entscheiden. Er hat danach keinerlei Rechte mehr (wie bei einer Freigabe zur Adoption), aber auch keinerlei Pflichten. Es ist nicht einzusehen, warum Männer zwar (tw. unter fürchterlichen seelischen Schmerzen leidend) zusehen müssen, wie Frauen ihr Kind abtreiben, sie aber keinerlei Recht haben, sich der Verantwortung zu entziehen.
Ein Vetorecht des Vaters gegen eine Abtreibung darf es nicht geben, das wäre amoralisch. Sehr wohl sollte es aber eine behördliche Eintragung geben, in der klar festgehalten wird, ob Vater und/oder Mutter für die Abtreibung waren. Entzieht sich einer der beiden öfters der Verantwortung für ein mögliches Kind, dann sollte es durchaus Sanktionen geben. Möglichkeiten wären Zwangstherapie und Geldstrafen (aber nur, wenn am Lebensstandard der Person gemessen, da sonst sozial ungerecht) und im mehrfachen Wiederholungsfall eine mögliche Einsichtname in die Akte durch neue Partner.
Auf jeden Fall ungerecht ist die Tatsache, dass es kostenlose Hilfe für Mütter vor und nach der Abtreibung gibt, Väter aber völlig allein gelassen werden.
Der Vergleich mit dem Kreationismus ist ziemlich gut. Die Kreationisten verleugnen, dass der Mensch von der Tierwelt abstammt. Die Anhänger der Tabula-rasa-Theorie John Lockes verleugnen, dass der Mensch immer noch ein Tier ist. Wir sind ostafrikanische Steppenaffen und Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es bei uns genauso wie in der sonstigen Tierwelt auch.
Zu erwähnen wären auch die sehr energischen Versuche in der Kibbutz-Bewegung vor fast 100 Jahren, die ebenfalls scheiterten. Die Leugnung der menschlichen Natur kann in gefährliche, utopistische Politik münden. Extrembeispiel sind dafür die roten Khmer, die möglichst viele Erwachsene ermordeten, um die Kinder zum neuen sozialistischen Menschen zu erziehen.
Aber seltsam ist es dann auch, trotz der Zukenntnisnahme natürlicher Unterschiede trotzdem die Wehrpflicht für Frauen und gleiche Aufnahmebedingungen für männliche und weibliche Polizisten zu fordern. Es geht ja da primär darum, generelle Fitness festzustellen und nicht um einen sportlichen Leistungsvergleich. Und da kann man von Frauen und Männern im Schnitt eben nicht das gleiche erwarten. Frauen in der Polizei zu haben, ist meiner Meinung nach durchaus sinnvoll, eben weil sie Frauen sind.
Lieber @quitzlipochtli / Feuerhaken / Thomas K.
Danke für das Interesse an Programm und Positionen der Männerpartei. Wir sind eine offene Partei und nehmen konstruktive Kritik gerne an.
Die Frage, wie eine Ablehnung der “Gender”-Ideologie so formuliert werden kann, dass man sagt, wofür man ist, anstatt nur gegen etwas zu sein, ist offenbar noch offen. Das aktuelle Programm versucht, das Offensichtliche zu betonen, nämlich: Männer und Frauen sind eben anders, nicht immer, aber eben teilweise auch von Natur aus anders. Es ist offenbar gar nicht so leicht, so etwas offensichtliches zu sagen, ohne, dass es sofort falsch verstanden wird.
Bei der “Technologie” habe ich ursprünglich an Vaterschaftstest, in virto Fertilisation, oder Medizin im Allgemeinen gedacht, das kann man offenbar auch besser formulieren. Unser Programm wird in nächster Zeit vor allem um Themen für den Wien-Wahlkampf erweitert werden. Wir suchen ja bereits Kandidaten für die Wienwahl. Wer bei uns unter
http://maennerpartei.at/user/register/
als “Partner” anmeldet (das ist unverbindlich, es gibt keinen Beitrag, der Name wird nicht veröffentlicht), kann übrigens auch sagen, dass er an internen Diskussionen zum Programm teilnehmen will. Du bist herzlich eingeladen, uns auch intern zu kritisieren.
Danke für die sachliche Reaktion. Was verstehst du unter “Gender-Ideologie”? Und in welcher Hinsicht, über das offensichtliche (körperliche) hinausgehend, sind Männer und Frauen so verschieden dass sich zwei in sich homogene Gruppen ergeben? Der Punkt “Technologie” klingt einfach auf den ersten Blick irgendwie komisch, beim Lesen der Diskussionen auf eurer Seite hab ich mir dann eh gedacht dass es sich um Vaterschaftstests handeln wird. Und danke, aber ich habe mich politisch schon anders entschieden, und bin außerdem kein Wiener…
1) Mit die Frage ist schwierig, habe ich, was ich wohl nicht rüberbringe (wie ich beim Nachlesen selbst feststellen muss) generell das Verhältnis von “Zeuger” und “Schwangerer” in der Frage von Abtreibungen gemeint. Ein Vetorecht scheint mir, eben über den persönlichen Schmerz des Vaters hinausgehend, tatsächlich so nicht begründbar.
2) Aber – was du machst ist eine einseitige Bewertung, was jedem zusteht, aber eben wie eine Meinung subjektiven Charakter hat und deshalb heiß umstritten sein kann (ohne das jemand falsch liegt). Denn eine Abtreibung ist ein Interessenskonflikt von zwei oder drei Personen (je nachdem wann man man den Beginn von menschlichem Leben ansetzt, innerhalb der Fristenregelung wie sie in Ö ist, denke ich sind es jedenfalls nur zwei). Und da kommen eben Bewertungen ins Spiel. Du bewertest das Erleben der Frau höher/wichtiger/schmerzhafter/mir fällt kein ganz passendes Wort ein, sorry als das des Mannes. Das ist aber nicht in Stein gemeißelt (ich ziehe mich auf eine möglichst neutrale Position zurück, weil ich fürchte, dass die Diskussion sonst komplett sinnlos wird, de facto denke ich, liegen wir eh sehr nahe beieinander).
3) Diese Bewertung führt auch dazu, dass du das von dir geschilderte Aufeinanderprallen vom Abhängigkeit des Ungeborenen von der Mutter vs. der Abhängigkeit der Frau vom Mann so einfach beantworten kannst. Außerdem habe ich nicht gesagt dass die Frau nicht bestimmen darf, weil das Kind von ihr abhängig ist, sondern lediglich dass die “Mein Körper gehört mir” Argumentation (in Bezug auf Abtreibungen) eine fatale Logik beinhaltet.
4) “Bewertung” soll nicht abwertend gemeint sein, ich denke du hast gute Gründe für deine, und wie gesagt, ich glaube wir liegen wirklich nicht weit auseinander, aber es ergeben sich eben keine zwingenden Grüne diese Bewertung zu übernehmen und nicht zB zu sagen, Abtreibung nur wenn Konsens der Eltern besteht.
1) Das “Recht” (eigentlich ist es ja kein Recht, sondern bloß unter Straffreiheit gestellt) der Frau sich gegen ein Kind zu entscheiden und abzutreiben, ist nicht vergleichbar damit, einen lebenden Menschen für dessen Existenz man verantwortlich ist, von sich zu weisen. Da würde nämlich ein Dritter, der absolut nichts dafür kann, da zu sein, in Mitleidenschaft gezogen werden.
2) Ein behördliches Register wer sich wie oft gegen ein Kind entscheidet (stellst du dir das so vor, das Frauen ca. zwei bis dreimal im Jahr abtreiben, weil es einfacher ist als immer an die Pille denken zu müssen?) mit Sanktionen? Wie bitte willst du das begründen? Und was willst du “zwangstherapieren”? Einen Kinderwunsch der gefälligst aufzutreten hat?
3) In der Tat ist psychische Hilfe in Österreich sehr schlecht geregelt. Das man die Mutter nach einer Abtreibung auffängt, ist irgendwie das mindeste (aber selbst da gibt es ja jetzt nicht wirklich viel Hilfe), was aber auch daran liegen dürfte, dass da etwas Physisches passiert, während rein psychische Probleme nicht so ernst genommen werden.
Das erwähnte Beispiel hab ich im Buch “MenschInnen” von Barbara Rosenkranz nachgelesen und es ist methodisch völlig unhaltbar das als Beleg für überhaupt irgendwas, außer dass es skrupellose Menschen gibt, herzunehmen. Aber ich bin immer für neue Infos offen, also bitte ich dich um Belege für die “seit ca 30 Jahren gut dokumentierten und bewiesenen Unterschiede” die über das offensichtliche (körperliche) hinausgehen.
Eigentlich gings mir nur darum, wie deine angedeuteten Zweifel am MKME Argument rein logisch mit dem Vetorecht des Mannes vereinbar wären. Also, vorausgesetzt man geht von einem 3-Personen-Konflikt aus: Zwischen Mutter und Kind besteht ein Abhängigkeitsverhältnis. Daraus allein soll noch nicht folgen, dass der Mutter auch die unbeschränkte Verfügungsmacht über das Kind zusteht. Andererseits stellt ein Vetorecht bezüglich der Verfügungsmacht über das Kind ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Vater und Mutter her. Da sich das Kind ja unbestritten im Körper der Frau befindet und ohne dessen Verletzung auch nicht entfernt werden kann, räumt man damit dem Vater zusätzlich noch Verfügungsmacht über die Frau ein.
Der logische Widerspruch liegt hier: Wenn das bloße (körperliche) Abhängigkeitsverhältnis Mutter/Kind den Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Kindes nicht rechtfertigt (“fatale Logik”, interpretier ich jetzt so ;) ), dann stellt sich die Frage überhaupt nicht, ob man das Abhängigkeitsverhältnis Vater/Mutter “künstlich” herstellen sollte, um einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit der Mutter (wie auch des Kindes) zu rechtfertigen. Wenn ich mich jetzt nicht komplett verrannt habe, kann es also nur zwei logische Konsequenzen geben: Die Kritik am MKME Argument aufrecht erhalten und ein Vetorecht von vornherein prinzipiell ablehnen. Oder die Kritik fallen lassen, woraufhin ein Vetorecht grundsätzlich in Betracht kommen kann.
Keinesfalls wollte ich damit die ganze Problematik, in der es selbstverständlich sehr viel mehr Argumente gibt, auflösen. Richtig ist auch, dass ich das ganze auch gleich gewertet plus meine Meinung zur Vetofrage an sich einfließen habe lassen. Wenn ich schon dabei bin: Letztlich laufen alle Versuche, ein Mitbestimmungsrecht zu implementieren, auf ein Vetorecht hinaus. Und das führt zur totalen Kontrolle des Mannes, verkehrt also die derzeitige Lage ins Gegenteil. Nur einer von beiden kann das letzte Wort haben: Im Zweifel muss das eher die Frau sein, die ja direkt körperlich betroffen ist. Mag sein, dass auch der Vater psychisch leidet, und nicht zu knapp: Das kann aber keinesfalls seine alleinige Entscheidungsbefugnis rechtfertigen. Daher scheitert das Vetorecht meiner Meinung nach an biologischen Tatsachen: Die unmittelbare körperliche Betroffenheit der Frau “sticht” die mittelbare des Mannes in anbetracht der Tatsache, dass es nur um die totale Kontrolle über die Abtreibung gehen kann. Eine andere Form von Mitbestimmungsrecht aber wäre rechtlich sinnlos – Abtreibungsentscheidungsverhaltenmeldepflicht? Abtreibungsentscheidungsverhaltenmelderegister plus entsprechende Offenlegungspflichten gegenüber zukünftigen PartnerInnen? Wozu das denn?
Ich findes es aber sehr unterhaltsam, dass Personen, die sonst hinter jedem Binnen-I die große Gendermainstreaming-Ideologie-Verschwörung und Leugnung “natürlicher Unterschiede” wittern, ausgerechnet in der Abtreibungsfrage die “natürlichen Unterschiede” partout nicht zur Kenntnis nehmen wollen (um das ganze mit einem Schuss Polemik abzurunden).
Darauf hinzuweisen, dass auch Männer an Abtreibungen leiden können und sich zu überlegen, wie man da besser helfen könnte, ist natürlich legitim.
Wobei, bitte, die letzten drei Absätze, nicht speziell an dich gerichtet sind, Thomas. Nur damit es da keine unglücklichen Missverständnisse gibt ;)
Beweislastfrage. Nachdem es sich bei nature vs. nurture nicht um eine Existenzbehauptung handelt, ist a-priori nicht einzusehen, warum die Beweislast auf der nature-Seite liegen sollte und bis auf weiteres von der nurture-Hypothese als Grundannahme auszugehen wäre.
Wenn wir uns darüber einig sind, dass es bei anderen Tierarten erkennbare Wesensunterschiede zw. Männchen und Weibchen gibt, die man auch bei Menschen beobachtet, dann verschiebt das die Beweislast zur nurture-Seite. Diese Seite ist es, die beobachtbare Unterschiede ähnlich den Ptolemäikern mit immer komplexeren Epizirkeln umgehen will.
Der Fall der Geschlechtsumwandlung falsifiziert jedenfalls, dass das mit der Sozialisierung so eine klare Sache wäre. Wenn eine Geschlechtsumwandlung nicht reicht, sowie das Belügen das Kindes sowie des Umfeldes, dann fragt man sich, auf welche magische Weise diese Sozialisierung solchen Experimenten immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht.
Du hast dir Barbara Rosenkranz` Buch angetan????
Besorg dir lieber Steven Pinkers Buch: The Blank Slate: The Modern Denial of Human Nature
Darin hat er die Ideengeschichte der Tabula-Rasa erörtert, politisch-ideologisch motivierte Ängste vor der Wahrheit entkräftet und einen Überblick der Stand der Wissenschaft zur menschlichen Natur inkl. Quellenverweisen zu einer Reihe von Fragestellungen (nicht nur Geschlecht) präsentiert. Darüber hinaus ist Steven Pinker ein hervorragender Autor.
Beispiele (aus dem Gedächnis, nicht notwendigerweise aus dem Buch):
Rhesusaffenkinder suchen sich ähnlich wie Menschenkinder je nach Geschlecht andere Spielzeuge aus.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18452921
Weiters hat man festgestellt, dass die kognitiven Leistungen von Frauen mit dem Monatszyklus stark schwanken. Kann Quelle gerne nachliefern.
Weiters: fMRI zeigt unterschiedliche Hirnaktvierung bei gleichen Aufgaben.
Aber damit schieße ich eigentlich mit Kanonen auf Spatzen, denn Studien mit Kleinkindern, Existenz Stabilität von Wesensunterschieden über sämtliche Kulturen hinweg, sowie offensichtlichere Parallelen zum Tierreich sollten eigentlich völlig ausreichen, um die nurture-Seite ins Esoterik-Eck zu drängen.
Hallo Thomas,
Danke für die kritische Berichterstattung über die Neue Männerpartei Österreichs.
Ein näherer Blick auf die Satzungen der beiden verglichenen Organisationen hätte sich allerdings gelohnt! Denn während die “Männerpartei” von Oliver Hoffmann praktisch Eigentum ihres Gründers ist und demokratische Mitbestimmung der Parteimitglieder nicht vorgesehen ist, steht den Parteigängern der Neuen Männerpartei Österreichs selbstverständlich das Recht zu, sämtliche Personen des Vorstandes selbst zu wählen. Das ist meines Erachtens nach ein wesentlicher Punkt und diese Problematik hat auch dazu geführt, diese Neue Männerpartei zu gründen. Auch wurde der inhaltliche Teil der Satzung der NMÖ so allgemein gehalten, daß sich Personen jedweder Weltanschauung damit identifizieren können, einzige Voraussetzung für den Beitritt ist, wie ja oben schon erwähnt, das Interesse an der Förderung der politischen Interessen der Männer.
Zur Abtreibungsdiskussion möchte ich auch meinen “Senf” dazu abgeben: Die momentane Situation ist aus geschlechtspolitischer Sicht eine Kathastrophe, sämtliche Rechte stehen dem einen Geschlecht (den Frauen natürlich) zu, während sämtliche Pflichten den Männern aufgebürdet werden.
Oliver Hoffmanns Ansatz zu dieser Problematik ist dem derzeitigen Status Quo natürlich vorzuziehen. Denn indem man die Möglichkeit einer “männlichen Abtreibung” schafft, indem man es Vätern wider Willen ermöglicht, sein Kind nicht anzuerkennen, stellt man auf jeden Fall Geschlechtergerechtigkeit her. Fraglich bleibt z.B. aber, wer denn die Kosten der Aufzucht dieser “vaterlosen” Kinder dann übernehmen soll, wenn nicht die Gesellschaft. Und da frage ich mich als kinderloser Steuerzahler dann schon, wie ich dazu komme, die Nachkommen anderer Herren finanzieren zu müssen!
Die Neue Männerpartei Österreichs tritt deshalb für die Lösung ein, die in dem Artikel besprochen wurde.
Gruß
Martin Drucker
Vorsitzender der Neuen Männerpartei Österreichs
http://www.nmoe.at
Mit “fatale Logik” meinte ich die Idee, das Abhängigkeit von jemandem dieser Person das Recht gibt, über das Leben des Abhängigen zu verfügen. Die würde selbstverständlich nicht enthalten sein, wenn man den Beginn des Lebens mit der Geburt festsetzt. Dann wäre das MKME Argument tatsächlich gut, da es nur um den Körper der Frau und einen darin wuchernden Zellklumpen geht (wie du sagt, zumindest utilitaristisch betrachtet, sticht physisches und psychisches Erleben bei der Frau nur psychisches beim Mann).
Die Abhängigkeit der Schwangeren vom Erzeuger ist imo aber nicht mit der Abhängigkeit des Embryo/Fötus von ihr vergleichbar. Allein schon weil der Mann der Frau keinen körperlichen Schaden zufügen kann (sofern dieses Vetorecht nicht auch Abtreibungen aus medizinischer Notwendigkeit unterbinden könnte). Andererseits besteht ja bereits ein Abhängigkeitsverhältnis des Mannes von der Schwangeren, da sie ihm als Alleinentscheiderin psychischen Schmerz zufügen kann.
Aber ich muss zugeben, ich kann deiner weiteren Argumentation nicht folgen. Ich sehe da keinen Widerspruch. Außerdem glaube ich nicht, das man bei einem Vetorecht von einer “totalen Kontrolle” des Mannes sprechen könnte, er kann ja keine Abtreibung anordnen.
Inwiefern schließt das Statut der Männerpartei eine demokratische Mitbestimmung der Mitglieder aus?
Die “Gender”-Ideologie geht davon aus, dass es überhaupt nur ein “soziales” Geschlecht gibt. Ich gebe jetzt einmal das erste Dokument dazu an, was Google für “Gender Ideologie” ausspuckt, das kommt schon recht gut hin als Beschreibung: gesellschaftsverantwortung.at/thema_ehe+familie/material/Vonholdt_GenderMainstreaming.pdf
Ich denke nicht, dass Männer und Frauen zwei homogene Gruppen bilden
Vielleicht kann ich auch dazu beitragen, die Interessenlage von Martin Drucker zu erklären:
Ich habe vor einem Jahr knapp nach der Gründung der Männerpartei das erste Gespräch mit Interessenten geführt. Einer dieser Interessenten war Martin Drucker. Martin wollte gleich beim ersten Treffen und bevor er sich dazu durchringen konnte, überhaupt zu sagen, ob er Mitglied werden will, den Parteivorsitzenden absetzen und die Satzung ändern lassen. Ab dann hat Martin bei jedem Treffen der Männerpartei erklärt, dass die inhaltliche Positionierung zu wenig Platz für FPÖ-Positionen lässt. Außerdem konnte er sich nie so recht durchringen, seine FPÖ-Mitgliedschaft zurückzulegen. Ich habe eigentlich nichts dagegen, wenn es eine zweite Männerpartei gibt. Dann ist wenigstens klar, dass die originale Männerpartei kein FPÖ-Ableger ist.
Hallo Thomas,
Ich kenne ehrlich gesagt keine Satzung der “Männerpartei” Oliver Hoffmanns, außer dem, was unter “Parteiprogramm” vor den Forderungen steht, und da spielt die Mitbestimmung von Parteimitgliedern keine Rolle. Kann sein, daß sich seit meinem Austritt etwas verändert hat, glaube ich aber nicht. Ob ich jetzt der FPÖ nahe stehe oder nicht spielt meines Erachtens da keine Rolle, Fakt ist, daß der Parteigründer der Männerpartei seine Ansicht in vielen Diskussionen immer wiederholt hat, daß nur er in dieser Partei das Sagen haben soll (weil er diesbezüglich bei seiner alten Partei, dem LIF, schlechte Erfahrungen gemacht hat).
Es ist unbestritten, daß Hoffmann bis jetzt, vor allem im Punkt der Väterrechte, einige Erfolge feiern konnte, er ist ja Betroffener und bis jetzt konnte sich die Neue Männerpartei Österreichs hier nicht wirklich positionieren. Auch aus dem Grund, daß die Forderungen großteils identisch sind (was nicht zuletzt durch meine Engagement dort entstanden ist), wünsche ich der “Männerpartei” viel Erfolg, auch wenn sich die Wege getrennt haben.
Gruß
Martin