Jugend für das Volk
Wolfgang Schrögendorfer ist der Presserefernt der Nationalen Volkspartei (NVP). In letzter Zeit fiel er verstärkt als Kommentator auf rigardi auf, weshalb ich heute wieder einmal die Homepage Heimatseite der NVP besuchte. Dabei bemerkte ich zum ersten Mal ein Link Verweis zur Jungen Nationalen Volkspartei (JNVP). Diese wurde nach eigenen Angaben als eigene, aber “weltanschaulich mit der NVP völlig kompatible” Jugendorganisation zugleich mit der NVP gegründet und soll sich um die NVP-Mitglieder im Alter von 14 bis 22 Jahren kümmern.
Sieht man sich ihre Homepage Heimatseite an, wird man von einem Video begrüßt, dass zu den Klängen von “Im Geiste Frei” der einschlägig bekannten Gruppe Sleipnir aufgefordert, aktiv zu werden. Es warten “provokante Protestaktionen”, “Farbballspiele”, und vieles mehr.
Verantwortlich für die Homepage Heimatseite zeichnet nicht die JNVP oder die NVP (kein Impressum, kein Kontakt), sondern die “Nationale Medienfront”, laut Eigendefinition “ein Bündnis freier Mediengestalter um Grafiken, Videos und Weltnetzseiten zu erstellen”. Die “Nationale Medienfront” ist also für das Erscheinungsbild der NVP und der JNVP zuständig. Möglicherweise fehlt das Impressum nur da die Seite noch relativ neu ist (die “Nationale Medienfront” verweist am 17. Dezember 08 auf sie), die Domain läuft auf Robert Faller, Gründer und Generalsekretär der NVP. Auf ihn läuft auch die Domain der “Nationalen Medienfront”, die ebenfalls kein Impressum, sondern lediglich den Hinweis “Medienfront 2008 | unterstüzt durch www.nvp.at” enthält.
Neben dem Video findet man noch die Aufforderung einen Newsletter Rundbrief zu abonnieren, E-MailPost-Adressen der “Stützpunkte” der JNVP in den Bundesländern, verschiedene Sticker Aufkleber die ab Anfang 2009 gekauft werden können, die Möglichkeit um 30 EUR (Schüler, Stundenten, Lehrlinge) bzw. 60 EUR (Arbeiter, Angestellte) pro Jahr aktiv zu werden und das Programm der JNVP.
Dieses Programm enhält eine Menge leerer Phrasen, Forderungen nach dem Ende der Globalisierung (ja wo ist er denn, der OFF AUS-Schalter?) und dem Austritt aus der EU oder dem Wunsch nach einem “Ausländerrückführungsgesetz”, welches “friedlich und gesetzmäßig die Ausländerproblematik in unserem Staat beendet” auch Definitionen wie diese:
Das Volk sehen wir gewachsen aus den Kräften der Erbsubstanz und der Umwelt.
Das Erbe eines Volkes bildet die Summe der vorhandenen Erbanlagen. Diese sind als biologische Grundsubstanz über den Weg der Fortpflanzung stets die Voraussetzung für eine wiederum gleiche Ausprägung. Zum Erbe eines Volkes gehört nicht allein die Tatsache einer Erbanlagengemeinschaft aus der Vergangenheit, sondern die Fortpflanzung aus sich selbst als Grundlage der Zukunftsgestaltung dieses Volkes.
Obwohl die Sprache durchaus um Intellektualität und nicht um Einfachheit (oder gar Widerspruchsfreiheit) bemüht ist, finden sich darin Passagen wie “Wir haben Parlamentarismus, Demokratie haben wir keine.” die nur auf ein sehr einfachenen Ebene funktionieren könnten, hätte man nicht folgende “Definition” von Demokratie:
Die Demokratie, also die „Herrschaft des Volkes“ ist allerdings mehr als nur „frei“ wählen zu können. Wir stehen für eine umfangreiche Demokratisierung auf nationaler Ebene. Die Macht im Staat muss wieder vom Volk ausgehen. Demokratie ist nur ein Wort, solange man sie nicht lebt. Wir wollen sie und stehen zu einer nationalen Demokratie im Sinne einer wahren Volksherrschaft.
Das Wort “Demokratie” (bzw. Demokratisierung) kommt in diesem kurzen Absatz vier mal vor, dabei wird es einmal übersetzt, erklärt, was man sich darunter vorstellt und wieso ein Parlament zu haben im Widerspruch dazu steht, wird nirgends.
Auf der Startseite der JNVP findet sich außerdem noch ein Hinweis auf ein “Deutschrockkonzert” im Juni 2009 in Oberösterreich. Anscheinend will die NVP im Bundesland dem man die stärkste rechtsextreme Szene nachsagt, ihre Stärke in der ersten Jahreshälfte 09 voll demonstrieren. Neben dem Konzert, zu dem weitere Infos noch folgen sollen, sind in im April und Mai zwei Demonstrationen geplant. Einerseits versucht man, den Tag der Arbeit (1. Mai) zu vereinnahmen und außerdem wird, am 18. April zu einer Demonstration für “Mehr Demokratie” in Braunau aufgerufen, was unlängst erst einige Aufregung erzeugte. Mögliche Decodierungen dieses Termins sind das Braunau der Geburtsort von Adolf Hitler ist, dessen Geburtstag am 20. April war. Im Umfeld dieses Datums findet in Braunau schon länger immer wieder eine antifaschistische Demonstration statt. Die 18 als Code für A H (erster und achter Buchstabe des Alphabets, kurz für Adolf Hitler) wäre ebenfalls denkbar.
Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) beobachtet, dass die immer wieder steigende Aktivität etwas mit einem Generationenwechsel innerhalb des Rechtsextremismus zu tun haben könnte, da deren Aktivität anscheinend regelmäßig alle zehn Jahre ansteigt.
Im Verfassungschutzbericht 2008 steht folgendes:
Von den Aktivitäten der rechtsextremen Szene geht keine akute
Gefahr für die Demokratie in Österreich aus. Im internationalen
Vergleich bewegt sich der Rechtsextremismus in Österreich trotz
einer Zunahme einschlägiger Tathandlungen im Jahr 2007 weiterhin
auf einem relativ niederen Niveau.
Im Jahr 2007 kam es zu einer deutlichen Steigerung “rechtsextremistische, antisemitische
und fremdenfeindliche/rassistische Tathandlungen”, von 240 im Jahr 2006 auf 343 im Jahr 2007 (zum Vergleich, im Jahr 1997 waren “322 Delikte mit rechtsextremen/fremdenfeindlichen/antisemitistischen Hintergründen Gegenstand behördlicher Maßnahmen”.) Beim Vergleich 1997-2007 muss man aber bedenken, eine Tathandlung “mehrere Delikte mit gesonderten Anzeigen beinhalten” kann.
Weiters berichtet der Staatsschutz, dass sich die “integrativen Tendenzen innerhalb der dem rechtsextremen Um- und Vorfeld zuordenbaren Gruppen und Personenverbindungen fortsetzt. Hinsichtlich der Jugend hält der Bericht fest, dass die “Bemühungen bei der Nachwuchsrekrutierung durch maßgebliche Ideologen, die der Kriegsgeneration angehören” keine großen Erfolge zeigten. “Eine Verjüngung des häufig überalterten Funktionärskaders der Parteien und Vereine des rechtsextremen Spektrums war im Jahr 2007 nicht feststellbar.”



Sehr interessanter Artikel! Ich stimme die meisten von den Meinungen zu! Weiter so auch im 2009!
Danke. Ich werde mich bemühen ;)
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