Die größte Pädophilenorganisation der Welt?

Über die Ursachen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche wurde viel gesagt und geschrieben, da meiste davon ist (teils himmelschreiender) Blödsinn. Das beginnt bei den Betroffenen selbst, wo man zwar inzwischen nicht mehr in Groer-Dimensionen (also Jahren) handelt, sondern in Monaten (Vatikan) bzw. Wochen (Bischöfe vor Ort), aber leider auch viele geistig irgendwann eingefrorene Menschen in Ämter gesetzt hat, die sich nun öffentlich äußern. Etwa darüber, dass hinter der ganzen Geschichte der Satan höchstpersönlich stecke. Andererseits kann man sich aber gegen Unterstützer_innen wie Andreas Unterberger nicht wehren, weshalb man der Kirche auch sein merkwürdiges Abwiegen zwischen den besseren katholischen und den richtig schlechten linken Kinderschändern nicht vorwerfen kann.

Aber selbstverständlich macht Atheismus oder Kritik an der katholischen Kirche nicht automatisch intelligent. Wenn von der größten Pädophilenorganisation der Welt gesprochen wird, ist das lustig, aber man darf nicht vergessen, dass es vollkommen falsch ist. Die katholische Kirche ist keine kriminelle Vereinigung sondern die größte wohltätige Organisation Österreichs, keine andere kommt auch nur in die Nähe ihrer Leistungen1 Ich weiß nicht, wem geholfen sein soll, wenn man die tausenden Priester die kein Verbrechen begehen sondern vielmehr aus tiefem Glauben und echter Überzeugung aufmerksame und bemühte Seelsorger sind, und als solche für viele Menschen eine wertvolle und wichtige Stütze darstellen, angreift, beleidigt und in den Dreck zieht? Ich bin ein großer Anhänger von schwarzem, tiefem, bösem Humor, aber es ist ein Unterschied ob man unter Gleichgesinnten solche Witze macht, oder sie Menschen die sie wirklich (tief) verletzten ungefiltert und auf Repeat ins Gesicht schmeißt. Diese Menschen leiden schon an der Kirche so furchtbar, da tritt man doch nicht noch nach.

Schwere Verbrechen sind begangen worden, und zurecht werden entsprechende Vorwürfe gemacht. Aber diese an die einfachen Priester und Gläubigen zu richten, ist falsch und, absichtlich oder nicht, böse. Der Vatikan ist zurecht Ziel aller Kritik und Anwürfe. Aber auch die betroffenen Staaten selbst darf man nicht vergessen, denn wer behauptet dass Missbrauchsfälle in katholischen Klöstern irgendetwas anderes als ein offenes Geheimnis waren, der lügt (oder irrt) ganz einfach. Die Staaten haben sich einfach nicht getraut, die Kirche in ihre Schranken zu weisen und wie jeden anderen Verein gegen den solche Vorwürfe immer wieder aufkommen, streng zu beobachten. Leute wie Andreas Unterberger, die verharmlosen und ablenken, anzugreifen, ist so rational argumentierbar wie es moralisch richtig ist.

Wenn die Sprache auf die Ursachen kommt, werden viele schnell pauschal oder verharmlosend. Dabei ist es relativ einfach. Die katholische Kirche hat eine absurde und ungesunde Sexualmoral. Sex ist schlecht oder verbannt. Das zieht Menschen mit einer gestörten Sexualität, oder die ein Problem mit ihrer Sexualität haben, an. Gott, die Kirche und der Zölibat scheinen auch eine gewisse Erlösung von dem Leidensdruck unter der eigenen Sexualität zu versprechen. Wenn man sich ansieht, wie schwer es heute noch ist, Einrichtungen für Menschen mit pädophilen Neigungen einzurichten, um präventiv arbeiten zu können, dann ist denke ich sehr leicht einsehbar warum die Kirche so eine Anziehungskraft als Zufluchtsort hatte. Was sollte jemand der pädophile Neigungen hat, wie man psychische Störungen einfach hat, den machen, außer Kinder zu vergewaltigen oder sich umzubrigen?

Nun kommt aber der Zeitpunkt, ab dem die Kirchenleitung schwere Schuld auf sich geladen hat. Wenn Missbrauchsfälle bekannt wurden, wurden diese vertuscht und der Priester einfach versetzt, oft so, dass er wieder ganz allein für Kinder verantwortlich war. Das ist so falsch dass mir die Worte fehlen um es zu beschreiben, und alle die wissentlich mitgewirkt haben, sind unbeschreiblich unmoralische Arschlöcher. Etwas auf Kosten unzähliger Menschenleben so lange zu unterdrücken und zu verdrängen, wie es nur geht, obwohl klar ist, dass der ganze Dreck irgendwann ans Tageslicht kommt, weil die Opfer ja nicht verschwinden, ist so schlimm, dass der nachweislich an zumindest einem solchen Fall beteiligte Papst die moralische Autorität von einem Hundstrümmerl hat. Und das hat die katholische Kirche nur sich selbst zuzuschreiben.

  1. Wobei das Ausmaß der benötigten Almosen sehr auf ein Staatsversagen hindeutet. Eine auf Mitleid der Wohlhabenden aufbauende Spendengesellschaft in der sozialer Ausgleich privatisiert ist, scheint mir nicht wünschenswert.

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2 Responses to “Die größte Pädophilenorganisation der Welt?”

  1. Dyrnberg sagt:

    Guter Blog, der einen zweiten Blick auf die Geschehnisse wirft. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass die kath. Kirche viel “Gutes” tut. Aber das kann unseren Zorn und unsere Wut nicht dämpfen, dass hier Pädophile nicht bestraft und aus dem Verkehr gezogen, sondern nur versetzt wurden, wie Du völlig zurecht anprangers.

    pragmatisch würd ich der kirche vorschlagen, den kirchenbeitrag zu 90% zweckwidmen zu lassen. wenn ich zu 90% darüber bestimmen kann, wer in der kirche meinen beitrag bekommt und wer NICHT, könnte das viele davon überzeugen, so glaube ich, den beitrag weiterzuzahlen und die “guten kräfte” der kirche (naiv ausgedrückt) zu unterstützen.

    • Thomas Knapp sagt:

      Das wär sicher eine hervorragende Marketingaktion bzw. Kundenbindungsaktion (in sowas versucht sich die Kirche ja wirklich, zB mit USB-Sticks und “die ersten 3-Monate gratis” zum 18ten Geburtstag), aber in einer derart autoritären Organisation dann wohl doch etwas zu demokratisch…

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