Da lugt sie wieder einmal hervor, die kleinbürgerliche Fratze mit faschistoidem Ordnungsbedürfnis. Es ist Oliver Pink, der die bürgerlich-liberale Maske der “Presse” kurz abnimmt um die Freakshow im Audimax zu geißeln. Dort protestieren nämlich keine Menschen, sondern “Freaks” und “Nerds” (offenbar durch und durch abwertend gemeint) gehen sinnlosen Diskussionen nach, die sicherlich auch irgendwie den heiligen Wirtschaftstandort Österreich schädigen.
Den keine andere Berufsgruppe, und das Studium ist ein Beruf, und die Vorbereitung auf viele weitere, und keinesfalls mehr, denn auch das würde den heiligen Wirtschaftsstandort Österreich schädigen, könnte sich erlauben, gegen unzumutbare großartige, von der ÖVP in ihrem herrlichen Glanz erschaffene, “Arbeitsbedingungen” zu protestieren. Die Verantwortlichen müssen endlich eingreifen, also gegen die Studierenden, nicht die Studienbedingungen selbstverständlich.
Und selbstverständlich darf die schweigende Mehrheit, die notwendigerweise auf der Seite der “Presse” steht (da diese als einzige Zeitung Österreichs InvestigativjournalistInnen hat die das Schweigen verstehen und übersetzten können), nicht fehlen. Diese lehnt die Proteste natürlich ab, was Kleingeist Pink zum Glück wieder ein wenig beruhigt (nicht das er noch zu Selbstjustiz greift und einen Selbstmordanschlag im Audimax macht).
Damit soll der kleine Teil seiner Kritik, der nicht auf neoliberaler Verwertbarkeit geschuldeter Entmenschlichung und faschistoiden Träumen von einer braven, sauberen Welt beruht, ausdrücklich nicht mitgemeint sein. Oliver Pink hat völlig recht, wenn er kritisiert das man “Julis” (die Jungen Liberalen, das weltfremdeste, arroganteste, abgehobenste, so offensichtlich ohne materielle Nöte aufgewachsene Stück politischer Bedeutungslosigkeit das Österreich im Moment zu bieten hat) nicht reden lässt. Ja, es gibt besorgniserregende und dem eigentlichen Anliegen massiv schadente faschistoide Tendenzen und Fantasien unter den Linken, besonders jenen die bei jeder Besetzung (unabhängig von Was und Warum) dabei sind und die das Wort “Revolution” ironiefrei verwenden.
Und ja, das Offenheitsdogma (das wie man aber sieht von den Zuständig beliebig gedeutet werden kann) und das ewige Ausdiskutieren von Dingen des Common Sense (wie kann man Hierarchie abschaffen? Das geht nicht und das hat genau gar nichts mit den Anliegen und Problemen der Studierenden zu tun.), eben Elemente der Basisdemokratie, werden diese wie jede vergleichbare Bewegung von alleine beenden (wenn sie nicht vorm notwendig auftretenden Streit aus irgendeinem Grund beendet wird). Aber das ist ein Beweis dafür das Strukturen wie die ÖH langfristig unendlich viel sinnvoller sind als basisdemokratische Plena ohne Struktur und Verpflichtung, und kein Grund das Audimax (und die anderen besetzten Hörsäle) mit Gewalt zu räumen.




Michael · 31/10/2009 um 12:43
Kleiner Tipp: Faschismus.
hc voigt · 31/10/2009 um 12:50
was zu erwarten war … DiePresse, ihr Lager und vor allem ihre Eigentümer müssen ziemlich gestresst sein.
http://networkedblogs.com/p15736164
Martin Schimak · 31/10/2009 um 12:59
Mir gefällt (zunehmend?) nicht, wie Du manche Leute oder Gruppen abschasselst. Hier zB die JuLis. Kann man Kritik auch so vortragen, dass einem die Kritisierten noch in die Augen schauen können ohne automatisch wütend werden zu müssen?
Ich frage mich das nicht nur bei Deinem Blog sondern auch bei anderen (zunehmend?): ist das dem Prinzip sich unbedingt angreifbar machen zu müssen geschuldet? Und wieviel hat dieses Prinzip in Wahrheit mit dem Urprinzip des Boulevardjournalismus zu tun?
Mein Versuch einer Antwort: Es ist (und bleibt) eine Gratwanderung. Solange die Kritik (und sei sie auch scharf) ehrlich ist, und nicht nur mit Widerspruch spekuliert finde ich das ok…
Thomas · 31/10/2009 um 15:00
@Martin – Leuten denen ich in die Augen schauen will, trage ich meine Kritik auch anders vor. Aber Leute die Menschen wie mich und meine Eltern zutiefst beleidigend abwerten und eine Ideologie vertreten, die dazu führen würde das Leute wie ich niemals auch nur eine Maturaklasse von innen sehen würden, verachte ich einfach. Das gilt ja eh explizit für die paar Leute von den JuLis und nicht für das LiF, wo die ganzen vernünftigen Liberalen in Ö (ja, das kann auch ein Wirtschaftsliberaler sein) geblieben sind.
@Michael – “Dieser Artikel behandelt historische Strömungen des 20. Jahrhunderts”, ich nicht, so what?
Martin Schimak · 31/10/2009 um 15:09
@Thomas: Das verstehe ich. Du weisst offenbar mehr über die JuLis als ich. Und ich habe deine Äusserung auch nur zum (vielleicht falschen) Anlass genommen mich zum Phänomen (des Widerspruch provozierens) zu äussern, das ich schon länger und an vielen Orten beobachte. Vielleicht blogge ich mal ausführlicher darüber – und mache mich in der halben Blogging Community so richtig unbeliebt. Mal sehen.
Michael · 31/10/2009 um 16:12
@Thomas: Warum verwendest Du dann aber das Wort “Faschismus” in vollkommen absurder Art und Weise? Es sollte ja wohl irgendwas mit der historischen Strömung aus dem 20. Jahrhundert zu tun haben – oder ist das so eine Art Jugendsprache, wie “Der war echt voll der Fascho!”?
Thomas · 31/10/2009 um 19:10
Was glaubst du warum die von dir selbst zitierte Wikipedia 2 Artikel unterscheidet? Außerdem schreibe ich “faschistoid” (bis auf den Absatz über die Linken, da hab ich’s vergessen und jetzt ausgebessert).
Dein Kommentar ist übrigens Nr. 1000 auf thomasknapp.at :-)
Mathias · 01/11/2009 um 02:01
Ich bin ziemlich enttäuscht von der Qualität dieses Beitrags, da ich so einen populistischen Unfug von dir, Thomas, normalerweise nicht gewohnt bin – du bist ansonsten ja einer der vernünftigen Linken.
Was zum Beispiel dieses ständige “faschistoid” soll, frag ich mich wirklich – klar ist Pinks Kritik nicht zimperlich formuliert (und “Freaks” äußerst indifferent), aber sie ist weder faschistisch noch irgendeine Abwandlung dieses Attributs. Ebenso, was die JuLis scheinbar unglaublich Böses formuliert haben, sodass man sie als “arrogant” bezeichnen müsste. Vielleicht kannst du mich da aufklären – du hättest es aber auch gleich im Artikel tun können.
Tja, und dass sich der Großteil der Studierenden eben nicht solidarisiert, ist nun mal Tatsache. Das muss man zwar nicht unbedingt an irgendwelchen Facebook-Gruppen festmachen, sehr wohl aber geht das beispielsweise über die Zahl der Demoteilnehmer: Alleine in Wien studieren weit mehr als 50.000 Menschen, 2007 waren es etwa 72.000.
Somit frage ich mich, was der Artikel soll – reines Pink-Bashing? Allgemeine Wut auf “Kontrarevolutionäre”? Stressabbau?
Michael · 01/11/2009 um 20:18
Trotzdem verstehe ich nicht, wo da der Zusammenhang mit Faschismus sein soll. Auch deine Überschrift ist eine arge Verzerrung dessen, was in dem Presse-Artikel steht. Auch Freaks und Nerds sind Menschen – zu einer Entmenschlichung kommt es i.A. nur dann, wenn jemand z.B. von Läusen, Ungeziefer oder Heuschrecken (sind die, die Finanzinvestoren als Heuschrecken bezeichnen auch faschistoid?) spricht, was in dem Artikel nicht der Fall war. Und auch wenn Oliver Pink offensichtlich nicht weiß, was ein Nerd ist, macht ihn das nicht faschistoid.
Und wenn die Linken die Julis nicht zu Wort kommen lassen wollen, dann sagt das zwar einiges über die Linken aus. Aber warum sind sie dann faschistoid?
dieter · 02/11/2009 um 21:10
Die 68er brauchten damals noch einige Jahre, um sich zu radikalisieren. Scheint ja diesmal im Eiltempo voranzuschreiten.
Könntest du diesen Vorwurf bitte näher erläutern?
Thomas · 04/11/2009 um 02:52
1) Zwischen Faschismus/faschistisch und faschistoid besteht ein Unterschied. In dem Text habe ich Oliver Pink nirgends als das eine oder das andere bezeichnet. Es steht auch nirgends, dass die Linken faschistoid sind, weil sie die JuLis nicht ans Mikro lassen. Ich schreib hier doch nicht kyrillisch, so schwer kann das doch nicht sein.
2) Der Umstand dass es eine schweigene Mehrheit gibt, wie so oft, ist Fakt, sonst gar nichts. Niemand bei klarem Verstand kann diese ernsthaft für sich beanspruchen.