Jetzt hat der Neger sich eine Banane verdient…

Der Offene Brief von Andreas Lindinger machte mich auf die “I will Mohr”-Kampagne des Konzerns Unilever aufmerksam. Unilever, genauer gesagt in Österreich ja “Eskimo” hat wie nun weithin bekannt ein Eis mit der traditionellen Süßspeise “Mohr im Hemd” als Zentrum seiner Sommerkampagne gewählt. Obwohl nun bereits der Firmenname an sich politisch korrekte Empörung auslösen müsste, tut er das nicht. Bei den Inuit sind die österreichischen Linken1 offenbar nicht so sensibel wie bei Schwarzen, die durch die Verwendung von “Mohr” in “Mohr im Hemd” angeblich rassistisch diskriminiert werden. Ich habe auf die aufkeimende Debatte mit dem doch recht polemischen Eintrag “Captain Gutmensch rettet die Welt” reagiert, der Zwischenrufer mit Humor, Andy der alte Knacker mit einem Preisausschreiben und Mathias mit dem Versuch, Vernunft in die Debatte einzubringen. Vorweg aber zur Erklärung meines Standpunktes. Wo ist der Unterschied zwischen Mohr, Bimbo Bananenfraß und Neger? Nun, wenn die Wörter dazu verwendet werden um einen Schwarzen zu bezeichnen, ist der Unterschied wohl nur in der verschiedenen Genese gegeben. Dann sind es rassistische herabwürdigende Schimpfwörter (deren öffentliche Verwendung aber nicht strafbar ist). Aber – niemand rennt herum und nennt alle Schwarzen Mohren. Genau genommen denkt bei “Mohr im Hemd” außer einer Minderheit wohl gar niemand an diese Verbindung. Ich persönlich habe sie erst vor kurzer Zeit bei einer ähnlich hysterischen Debatte (in einem viel kleineren Rahmen) hergestellt bekommen, von alleine wäre ich, obwohl unter anderem in linkslinken Antifa-Kreisen sozialisiert, nicht darauf gekommen. Und wieso? Weil “Mohr im Hemd” eine eigene Bedeutung bekommen hat – nämlich diese (ausgesprochen gute) Süßspeise zu sein.2 Wie lautet nun die Kritik bzw. wie wird sie argumentiert? Der grüne Politiker Lindinger argumentiert, das “Kommunikation und Sprache” Wirklichkeiten schaffen. Grundsätzlich stimmt das auch zu einem gewissen Grad 3 allerdings ist der Satz längst zu einem Standardargument der Politik verkommen und in diesem Prozess auf eine Ebene herunter gebrochen worden, auf der er Blödsinn ist. Die Verwendung von “Mohr” in “Mohr im Hemd” ist einfach zu wenig. Dazu würde viel mehr gesellschaftlicher Kontext gehören. Außerdem müsste die Sprachgemeinschaft erst einmal einem Wort eine abwertende Bedeutung beimessen, und ich bin mir ziemlich sicher, dass dies bei “Mohr im Hemd” nicht der Fall ist. Von den Anklägern hört man sonst meist nur, dass das eben rassistisch und diskriminierend sei, weil es rassistisch und diskriminierend ist. Es wird einem die “Wahrheit” praktisch einfach ins Gesicht geworfen. Friss oder stirb.Der Irrglaube die eigenen Argumente für so selbstevident zu halten, dass das einzige Argument das man dafür braucht die eigene moralische Überlegenheit sei, ist generell ein Problem der Linken (geworden). Was schlimm ist, da die meisten Positionen gut und richtig sind. Und damit steh ich vor einem Problem. Ich weiß nicht, wieso etwas dass ich als nicht so schlimm empfinde, eine rassistische und diskriminierende Katastrophe sein soll, da anscheinend niemand ein rational nachvollziehbares Argument dafür hat. Aber Halt! höre ich rufen, es geht nicht darum was ich empfinde, sondern die Betroffenen. Das ist zwar wie der Rassismus-Vorwurf gegen die Kampagne eine in der Regel völlig für sich allein stehende Behauptung ohne jede argumentative Stütze, aber trotzdem, überlegen wir einmal. Wie könnte das gemeint sein? Irgendwie in Verbindung mit einem Gesetz wohl hoffentlich nicht, ich geh davon aus das selbst Linke begriffen haben, dass Ankläger bzw. Betroffener und Richter zwei verschiedene Personen zu sein haben. Wie dann? Moralisch wohl, einen anderen Sinn kann ich mir nicht vorstellen. Nun ist die Ethik ein weites Feld und ohne auszuholen werde ich das hier nicht so gut besprechen können, würde ich aber ausholen, wäre das viel zu viel Aufwand. Also nehme ich doch die Abkürzung. Es steht jedem Menschen frei, sich durch alles mögliche beleidigt, erniedrigt, gekränkt, etc. zu fühlen. Aber daraus lässt sich per se, aus hoffentlich einsichtigen Gründen, kein Gesetz machen. Das ist allerdings ein praktisches Argument und würde zwar für die Rechtssprechung relevant sein, aber nicht unbedingt für die Moral. Hier geht es nun weiter – wenn sich ein Mensch beleidigt etc. fühlt, verletzt ihn dies, und das ist, hoffentlich einsichtiger Weise, moralisch schlecht und sollte daher unterlassen werden. Das klingt auf den ersten Blick wie ein sehr gutes Argument, aber uneingeschränkt funktioniert es nicht. Schon allein weil es wie die persönliche Freiheit dauernd zu Kollisionen mit anderen Menschen führt. Außerdem kollidiert ein solcher Satz auch mit anderen universell gültigen Sätzen, so wie es zB auch innerhalb der Menschenrechte immer wieder zu Kollisionen kommt. Im konkreten Fall wird es aber schwer, zu argumentieren dass das Recht der Gastronomie eine Süßspeise “Mohr im Hemd” zu nennen, weil diese “schon immer” so hieß stark genug ist, um eine Beleidigung von Menschen durch einen historisch belasteten Begriff moralisch zu rechtfertigen. Noch immer ein auf den ersten Blick bestechendes Argument dafür, die Kampagne schleunigst zu entfernen. Aber! Das Argument enthält Prämissen die zumindest zweifelhaft sind. Um zu einer moralischen Verpflichtung für A etwas zu unterlassen zu kommen, reicht das sich angegriffen fühlen von B nicht aus. Wegen oben angesprochener Kollision. Neben der Schwere der Beleidigung muss diese auch allgemein als solche erkannt werden können, mit Vernunft allgemein einsichtig sein. Wenn ein fanatischer Muslim der glaubt keiner Frau die Hand geben zu können, den Vorwurf zu hören bekommt, das wäre steinzeitlicher Sexismus, dann kann/wird er sich beleidigt fühlen, aber das kann unmöglich bedeutet das man gefälligst damit aufzuhören hat, fanatische Muslime zu kritisieren. Und das ist der Punkt, an dem sich die Diskussion konzentriert. Auf der einen Seite die Leute denen das Wort “Mohr” in den Augen brennt, auf der anderen Seite jene, die “Mohr im Hemd” als ganzes sehen und dabei die Süßspeise vor Augen haben. Hier kommt nun das Argument, dass erstere Übergewicht hätten, da die (potentiell) beleidigte “black community” das ebenso sieht. Was zwar empirisch völlig unbewiesen ist. Das wäre nicht die erste soziale Gruppe, die Vertreter hat, die ihre eigene Meinung, aber nicht die Gruppe vertreten. Aber geschenkt. Damit hat sich die Diskussion nur einen Schritt zurück bewegt. Das es jemand gibt der beleidigt ist, reicht nicht, auch wen jemand anders, der nicht betroffen ist, das genauso sieht, ist das immer noch nicht genug. Die “Mohr im Hemd”-Fraktion dürfte in diesem Fall tatsächlich die schweigende Mehrheit auf ihrer Seite haben. Aber auch das ist kein Argument, da man über Moral nicht abstimmen kann. Was bleibt ist eine Diskussion die, da es vor allem um Gefühle und persönliche Einschätzungen geht, unlösbar ist. Vor allem aber ist es eine lächerliche Diskussion. Wie ich bereits schrieb, ob der Anzahl der tatsächlich Geschädigten und der offensichtlichen Harmlosigkeit, wäre es in annähernd perfekten Welt wohl sinnvoll sich damit zu beschäftigen. In der Wirklichkeit aber gibt es echten Rassismus und echte daraus erwachsende Probleme. Der Kenianer Gilbert Kirwa gewann den Wien-Marathon 2009. ORF-Moderator Christopher Ryan kommentierte dies mit den Worten:

Der Sieger darf sich schon eine Banane genehmigen. Hochverdient. Er kann sich mit dem Preisgeld von 15.000 Dollar für den Sieg – und da kommt noch einiges an Zeitprämie dazu – ein paar Bananen und auch noch andere exotische Früchte mehr leisten.

  1. Ich gehe davon aus dass diese Empörung eine exklusiv linke Geschichte ist
  2. Ich hoffe es ist klar, dass ich es als rassistisch erkennen würde, wenn jemand von den Mohren spricht, so wie den Negern oder den Musels, etc…
  3. Sie beeinflusst wie wir die Dinge wahrnehmen und teilweise auch was wir wahrnehmen, aber an der Existenz eines Steins ändert sich nichts, genauso wenig daran dass 4+4=8 auch wenn wir 4 plötzlich 7 nennen.

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10 Responses to “Jetzt hat der Neger sich eine Banane verdient…”

  1. Feiger Gast sagt:

    Mutig.

  2. Herr B sagt:

    Ich glaube, dass der Kern der Debatte tatsächlich darin begründet liegt, was du so schön als „Selbstevidenz“ bezeichnest. Die Methodik, seine Argumente gar nicht mehr ausführen zu müssen, nur weil man sich mit seinen Reflexen implizit auf der richtigen Seite wähnt, ist genau einer jener Ursachen, die uns den enormen Backlash beschert, der derzeit in ganz Europa beobachtbar ist. Die heutigen, oftmals vollkommen unreflektierten Empörungsrituale der im Zuge der 68er tiefbürgerlich gewordenen Linken schafft heute die gleichen Wellen der Reaktanz, die vor 40 Jahren die konservativen Kreise mit ihrer Ablehnung gegen „Beat-Musik“ und Co. hervorriefen.

    Die Tragik daran ist, dass dabei das eigentliche Ziel, etwa die Bekämpfung von Rassismus, vollkommen ins Hintertreffen gerät. So schreibt Martin Blumenau hierzu in seinem Journal vom 23.7. (siehe http://fm4.orf.at/stories/1620912/): „Die FMQueer-DJs dürften sich als Schwuchteln bezeichnen, wenn ein mittlerweile geläuterter deutscher Rapper andere als Schwule anpöbelt, dann fahren wir ihm schon mal deutlich übers Maul.“ Das stimmt wohl, die Liberalisierung der Gesellschaft gegenüber Homosexuellen ist jedoch ua. einer viel clevereren Taktik – eines gezielten Framings – zu verdanken, indem das Wort „schwul“ in den 70ern konsequent in neuen Kontexten verwendet und positiv zu besetzen versucht wurde. Das Ergebnis darf als Erfolgsstory bezeichnet werden („und das ist gut so“). Verbots-Gebote und Empörungsrituale über die Verwendung des Wortes „schwul“ hätten hingegen wohl vor allem Reaktanz bewirkt (legendär hierzu die Szene aus den Simpsons, wo sich Homer bei einem Schwulen beschwert, dass man ihm das Wort weggenommen hätte, das er so dringend brauche, um sich über ihn lustig zu machen).

    Um zum Abschluss zu kommen: Hierzu gibt es sogar eine kleine Analogie von der australischen Eskimo-Schwesternmarke „Streets“. Diese führt nämlich ein Eis am Stiel mit der fröhlichen Produktbezeichnung „Golden Gaytime“ (siehe http://www.youtube.com/watch?v=9Pq8TFptKR4). Grund: Bei dessen Markteinführung (vor Jahrzehnten) war das Wort „gay“ noch nicht homosexuell konnotiert. Zum Glück heißt das Eis aber noch heute so (und das ist ebenfalls gut so – alles andere wäre imho ganz schön homophob).

    Wieder einmal zeigt sich, wie leicht sich „gut gemeint“ als das Gegenteil von „gut gemacht“ erweisen kann. Ehrlich gesagt weiß ich bei Mohr-Geschichte selbst nicht genau, wer nun wirklich Recht hat; generell drängt sich jedoch bei vielen dieser Debatten der traurige Verdacht auf, dass es Manchen weit weniger wichtig zu sein scheint, Rassismus wirklich zu bekämpfen, als vielmehr ihr persönliches Selbstbildnis zur Schau zu tragen. Eine Eitel- & Bequemlichkeit, die sich leider Jahr für Jahr in immer ekelerregenderen Wahlergebnissen widerspiegelt.

  3. Zwischenruf sagt:

    Sehr fein überlegt und ausgeführt!
    Für mich ist das einer deiner besten Blogbeiträge!

    Die Crux mit der Political Correctness ist ja tatsächlich, dass sie bevormundend, besserwisserisch und schön langsam unerträglich wird. War sie vor einiger Zeit noch ein nützliches Instrument, um Diskriminierung tatsächlich aufzuzeigen und verkrustete Strukturen aufzubrechen, verkommt sie in den letzten Jahren – nicht zuletzt wegen des exzessiven Einsatzes durch Grüne und Gutmenschen – zu einem politischen Totschlaginstrument im reinsten Orwellschen Geist.

    Im Wahn, ja niemanden zu diskriminieren, werden stets neue absurde Sprachbefehle ausgegeben, die die Realität genauso wenig wiederspiegeln, wie der bisherige Sprachgebrauch. Wer statt "Eskimo" fortan "Inuit" sagt, vergisst, dass die Inuit nur einen Teil der Bevölkerung Grönlands stellen. Wer die "Zigeuner" mit "Roma und Sinti" gleichsetzt, leugnet (unbewusst?), dass eben diese Roma und Sinti nur 2 Familienclans von vielen sind. Das ist in etwa so, als würde man "Wiener" für alle Österreicher verwenden. Na, da würden sich die anderen aber höflich bedanken!

    Es ist eine Sache, gegen Rassismus und Unterdrückung zu kämpfen, aber es ist eine ganz eine andere, Scheingefechte um Wörter zu führen, um das eigene verkorkste Gewissen zu entlasten. Der SA/SS-Großvater wird dadurch nicht weniger schuld, wenn man heute statt "Mohr im Hemd" zum kleine, feinen Kuchen "stark Pigmentierter in Herrenoberbekleidung mit Schlag" sagt.

  4. Markus Otti sagt:

    Ein schöner Text! Sehr richtig kommst du zum Ergebnis:

    "Im konkreten Fall wird es aber schwer, zu argumentieren dass das Recht der Gastronomie eine Süßspeise “Mohr im Hemd” zu nennen, weil diese “schon immer” so hieß stark genug ist, um eine Beleidigung von Menschen durch einen historisch belasteten Begriff moralisch zu rechtfertigen."

    Danach kann ich nicht mehr ganz folgen: Zwar hast du damit recht, dass das bloße Beleidigt-sein noch kein Grund dafür ist, etwas unterlassen zu müssen. Die anschließende Abwägung misslingt aber: Die Schwere der Beleidigung ist, wie du anfangs selbst ausführst ("Mohr" in einer Reihe mit "Neger" etc), gegeben. Dass das Wort "Mohr" für einen Menschen schwarzer Hautfarbe beleidigend ist, lässt sich problemlos von außen nachvollziehen, wenn man den historischen Kontext betrachtet. Dass ein Schwarzer bei "Mohr im Hemd" eben nicht in erster Linie an eine Süßspeise denkt, sondern sich in beleidigender Weise angesprochen fühlt, ist doch durchaus "mit der Vernunft allgemein" einsehbar.

    Deine Argumentation läuft letztlich auf "ist doch eh nur eine Süßspeise und nicht bös gemeint" hinaus: Die Süßspeise wurde aber in einem rassistischen Kontext benamst. Dass ein Begriff nicht (mehr) rassistisch gemeint ist, heißt noch nicht, dass er es nicht trotzdem sein kann. Dass man selbst einen Begriff nicht als rassistisch empfindet, heißt auch noch nicht, dass er es nicht ist: Freilich hätte ich kein Problem damit, als "Neger" oä bezeichnet zu werden. Folgt dann daraus, dass es sich jeder gefallen lassen muss? Natürlich finden wir den "Mohren im Hemd" nicht weiter schlimm, wir sind ja auch nicht "gemeint". Daher muss natürlich die "Zielgruppe" aufzeigen, was sie als rassistisch empfindet. Nachvollziehbar muss ihre Argumentation natürlich sein, aber: was nachvollziehbar ist, muss aus der Perspektive der Beleidigten, Diskriminierten etc beurteilt werden. Rein aus der Sicht der Diskriminierenden ist freilich eine ihnen angelastete Diskriminierung nie nachvollziehbar.

    • Thomas sagt:

      Niemand bezeichnet auch nur einen Schwarzen als Mohr. Das "Mohr im Hemd" historisch belastet ist, ist mir klar. Aber es gibt in Österreich auch Menschen mit den Nachnamen Mohr und Neger. Begriffe haben eben auch einen aktuellen Kontext. Aber ich habe nicht geschrieben, dass es sich eh nur um eine Süßspeise handelt und nicht bös gemeint ist, sondern dass das eine Argumentation ist, die mehrheitsfähig ist. Worum es mir geht ist dass durch das Aufblasen einer verhältnismäßig kleinen Angelegenheit der Alltagsrassimus in Österreich bagelisiert wird. In ihren unhinterfragten Ritualen und Reflexen beschädigt die Linke alle ihre Anliegen. Siehe Herr B unten.

      • Markus Otti sagt:

        Ich würde aber sagen, dass zwischen einer Werbekampagne im öffentlichen Raum und einem Familiennamen doch ein Unterschied besteht: Erstere wird im aktuellen Kontext konzipiert, weswegen man verlangen kann, dass historische Begriffe nicht einfach so unhinterfragt übernommen werden. Ein Familienname ist tatsächlich ein Fall, wo es wohl nicht verhältnismäßig wäre, diesen zu ändern.

        Ich würde eher sagen, diese verhältnismäßig kleine Angelegenheit macht den Alltagsrassismus in Österreich erst richtig sichtbar. Ich fände es daher sinnvoller, anstatt die Angelegenheit durch unverhältnismäßige Empörungsstürme aufzublasen, sie zum Anlass zu nehmen, sich mit anderen Facetten des Alltagsrassismus zu beschäftigen – siehe Ryan oben. Du hast schon recht, was unhinterfragte Rituale und Reflexe der Linken betrifft, auch das kann ein Problem sein. Ist es in diesem Fall aber nicht.

        • Thomas sagt:

          Ich möchte mich, da dass ja nicht das erste mal ist, dass ich mit dir diskutiere, in vollem Ernst, bei dir bedanken. Leute wie du geben mir den Glauben an "die Linken" ein Stück weit zurück. Eben weil man mit dir diskutieren kann und die nicht mit Absolutismen um dich wirfst. Aber zum Thema: Ja sicher besteht ein Unterschied, nur müsste man wenn man tatsächlich diese strengen Kriterien der einseitigen Beeinflussung der Wirklichkeit durch die Sprache anlegt, auf eine völlige Eliminierung des Wortes aus sein.

        • Thomas sagt:

          Ich möchte mich, da dass ja nicht das erste mal ist, dass ich mit dir diskutiere, in vollem Ernst, bei dir bedanken. Leute wie du geben mir den Glauben an "die Linken" ein Stück weit zurück. Eben weil man mit dir diskutieren kann und die nicht mit Absolutismen um dich wirfst. Aber zum Thema: Ja sicher besteht ein Unterschied, nur müsste man wenn man tatsächlich diese strengen Kriterien der einseitigen Beeinflussung der Wirklichkeit durch die Sprache anlegt, auf eine völlige Eliminierung des Wortes aus sein.

          Wie meist sind wir denke ich eh sehr nah beieinander, ich sehe es aber so, dass unverhältnismäßige Empörungsstürme hier gegeben sind, dass es sich dabei um unhinterfragte Rituale und Reflexe der Linken handelt, und dass das der Sache schadet. Bitte, so entsteht ein Bild dass der Mehlspeisename "Mohr im Hemd" das größte Rassismusproblem in Österreich ist. In einem Land in dem man Schwarze Menschen im Zuge ihrer Abschiebung/Verhaftung schon mal umbringen kann, ohne groß Konsequenzen fürchten zu müssen.

  5. dieter sagt:

    "Wiener" ist übrigens im englischen Sprachraum eine Bezeichnung für Würstel und ein verniedlichendes Wort für das männliche Geschlechtsorgan. Als selbsternanntes Oberhaupt der "Wiener Community" fordere ich eine sofortige Umbenennung dieser Wurstwaren in sämtlichen Supermarktregalen der Welt, sowie die ausschließliche Verwendung des Wortes für Einwohner Wiens. Alternativ wäre die Umbenennung aller Wiener in Mundls anzudenken. Außerdem fordere ich Steuergelder für meine in gründung befindliche NGO. Spendengelder werden auch gerne akzeptiert.

    Das Posting ist hervorragend. Da merkt man, dass die Auseinandersetzung mit Philosophie der klaren Strukturierung und Objektivierung von Argumentation dienlich ist. Und gleichzeitig im Kontrast dazu, was vielen österreichischen Journalisten, "Intellektuellen" und selbsternannten Politologen und Gesellschaftskritikern an philosophischem Werkzeug fehlt.

    Das Hauptproblem ist das der Verhältnismäßigkeit. Eine Welt ohne Beleidigungen und ohne Missverständnisse wird es nicht geben und ich glaube auch nicht, dass so eine Welt wünschenswert wäre. Wenn die Echauffierten wenigstens eine alternative Bezeichnung für die fragliche Süßspeise anbieten würden (Kuchen mit Schlag?) und somit konstruktive, entgegenkommende Kritik betreiben würden, dann könnte man ja eine graduelle Namensänderung des Deserts einleiten. Aber durch das Schwingen der Rassismuskeule und der überheblich-moralinsauren Kampfrhetorik erweist man diesem Vorhaben einen Bärendienst. Denn, wer nun den Namen der Süßspeise ändert, erweckt den Anschein, er würde implizit zugeben, bis dato ein böser Rassist gewesen zu sein. Für einen internationalen Konzern kann das besonders problematisch sein, da dann vielleicht gar Klagen zu befürchten wären. Also zwingt man diejenigen, die die Bezeichnung "Mohr im Hemd" bisher gedankenlos nutzten und genauso mit einem anderen Namen zufrieden wären, auf dem alten Begriff zu bestehen, um nicht das Gesicht zu verlieren.

    Aber freundliche Hinweise sind nicht das Metier der geistigen Jünger der 68er. Das verdirbt den Spaß an der selbstinszinierten moralischen Überlegenheit.

    Die Harvard Universität versucht sich an einer empirischen Objektivierung der Rassismusfrage. Anstatt wilde Theorien über die Macht der Sprache zu konstruieren, werden im Project Implicit tückische Tests zur Messung von Rassismus, Nationalismus, Sexismus usw. entwickelt. Ich bin mittelmäßig rassistisch.
    (Bei den Fragen zur eigenen Person kann man sich einfach durchklicken um schneller zum Test zu kommen).

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