Captain Gutmensch retttet die Welt (1)

Österreich im Jahr 2009. Eine zivilisierte Gesellschaft, möchte man meinen. Sicher, NeoNazis, AltNazis, und andere rassistische und xenophobe Kleingruppen gibt es hier wie überall. Aber generell könne Rassismus in einer aufgeklärten Demokratie des 21 Jahrhunderts nicht mehr salonfähig sein, möchte man meinen. Und damit irrt man. Gewaltig, wie jetzt FM4 und DerStandard aufdeckten. Den der unscheinbare Eisverkäufer Eskimo, von dem man nichts böses ahnen konnte, hetzt unverholen gegen die Schwarzen. In einer eigens dazu gestarteten österreichweiten Kampagne möchte Eskimo die Mohren zurück in ihre koloniale Minderwertigkeit und Sklaventätigkeit drängen. Eskimo_I_will_mohr Foto:Eskimo Der offen triefende Hass, die Aufforderung zur Gewalt, der klar erkennbare Wunsch nach rassischer Trennung (man bedenke nur wie klar und deutlich die Farben weiß und schwarz getrennt sind, wenn das kein Subtext ist?!) – all das lassen nur eine unverzügliche Verhaftung aller Verantwortlichen wegen Volksverhetzung und eine umgehende Verurteilung zur Höchststrafe zu. Vielleicht kann es noch gelingen den unmittelbar bevorstehenden Genozid zu verhindern. Das bedarf aber unverstellbarer Anstrengung der Zivilgesellschaft. Sie muss unverzüglich damit beginnen, sich zu entschuldigen, dem Sexismus und dem Rassismus abzuschwören und möglichst hysterisch im Kreis rennen. Denn nur so kann sie Captain Gutmensch beschwören, der die Welt vor den Faschistischen Rassistensexisten retten wird! PS: “Mohr im Hemd” ist der historisch gewordene Name einer Süßspeise. In einer annähernd perfekten Welt wäre es möglicherweise sinnvoll sich damit zu beschäftigen. In der Wirklichkeit aber gibt es echten Rassismus und echte daraus erwachsende Probleme. Meine lieben linken Freunde, bitte, wie wäre es, wenn ihr euch auf die konzentriert? Hier kann ohnehin der allmächtige und allwissende Werberat Erlösung bringen.

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18 Responses to “Captain Gutmensch retttet die Welt (1)”

  1. Danke!
    Es gibt wichtigeres, auf das man achten sollte.
    Es kommt nicht auf die Worte draufan, sondern auf deren Inhalt.
    und da ist ein Unterschied. Zwischen ich esse gerne Mohr im Hemd und Alle Schwarzafrikaner sind Drogendealer. Letzteres trägt zu mehr Hass bei

  2. Mathias sagt:

    Thomas, du bist ein Linker, wie ich ihn mag. :D

  3. Maria sagt:

    :D Sieht aufjeden fall lecker aus. Ob man davon beleidigt wird?

  4. alm sagt:

    Wo blieb der Auffschrei in den 80-ern als Eskimo/Langnese ein Eis namens Nogger (schwarze Haut mit Warzen) auf der Karte hatte?

    Falls du wieder mal Definitionen von Organisationen wie dem Werberat brauchst, melde dich. Ich pack's gern in 140 Zeichen.

    • alm sagt:

      Mein Kommentar erfordert, wie ich eben lernen musste, eine Erläuterung:

      Eskimo/Langnese hat in den 80-ern ein Eis herausgebracht, dass den Namen "Nogger" trug. Schokolade-Eis mit Fettglasur und krokant-ähnlichen Einsprengseln, von mir flapsig und bewusst "schwarze Haut mit Warzen" bezeichnet, weil für mich immer klar war, dass Nogger für viele wie eine Anspielung auf Nigger klingen muss. Lange Jahre habe ich mich gefragt, warum sich hier niemand beschwert hat und bin zu dem Schluss gekommen, dass das offensichtlich nicht breit so assoziiert wird. Das war in den 80-ern. Heute ist die sprachliche Sensibilisierung ein schönes Stück weiter fortgeschritten und Eskimo würde sich hüten einen Nagger oder Nugger zu bringen bzw. wären die Reaktionen, um ein Vielfaches heftiger als bei "I will Mohr".

  5. Markus Otti sagt:

    Niemand unterstellt Eskimo, dass sie verkappte Rassisten sind. Sie bedienen sich lediglich einer belasteten Sprache, die der schwarzen Community ein Ärgernis ist. Da es sich um Äußerungen im öffentlichen Raum handelt, kann man durchaus verlangen, dass die durchdachter und rücksichtsvoller formuliert werden. Freilich, die große Entrüstung wäre nicht angebracht, ich seh aber auch nicht ganz, wo denn die große Hysterie ausgebrochen sein soll. Es haben sich die Betroffenen zu Wort gemeldet und darauf hingewiesen, dass keine Freude mit dem Begriff "Mohr" haben – das scheint angesichts der Geschichte des Begriffs durchaus nachvollziehbar. Es gibt tatsächlich größere Probleme, daraus folgt aber nicht, dass das hier keines ist.

    • Mathias sagt:

      Ich glaube weniger, dass Thomas auf die Reaktion der Betroffenen (bzw. deren selbsternannte Stellvertreter) angespielt hat, sondern vielmehr auf das panische Geschrei (zumeister linker) Medien und Blogger. "Hysterie" ist womöglich etwas übertrieben, aber das Auffahren sämtlicher rhetorischer Mittel, um den angeblich unglaublich diskriminierenden Affront seitens Eskimo zu brandmarken, ist damit zumindest vergleichbar.

    • Thomas sagt:

      Mathias interpretiert mich schon richtig, ich meinte nicht die Betroffenen. Es geht mir viel mehr um die "Gutmenschen" und ihre Rituale und Reflexe…

      • Markus Otti sagt:

        Die Kampfrhetorik wird hier – soweit ich die Debatte verfolgt habe – fast nur von denen aufgefahren, die meinen, unbedingt Rituale und Reflexe der bösen Gutmenschen identifizieren zu müssen. Dabei leidet allerdings die inhaltliche Auseinandersetzung. Als unverhältnismäßig empfinde ich va die Kritik, dass es sich hier um "Hysterie" bzw "panisches Geschrei" handelt: Alle wesentlichen Wortmeldungen (die mir bekannt sind: FM4, Sonderegger, Blumenau, Lindinger etwa) argumentieren sachlich und nachvollziehbar. Nun kann man durchaus anderer Meinung sein – nur kann ich die Obsession damit nicht ganz verstehen, den sogenannten Gutmenschen die Oberlehrermaske von der kleinkarierten Fratze reißen zu müssen. Auch wenn dabei abstrakt vieles richtig ist: Hier ist es unverhältnismäßig.

        Und, ganz allgemein: "Es gibt wichtigeres" und "früher hat doch auch niemand was gesagt" sind die hässlichen Geschwister von "mir machen das schon immer so" in der großen Familie der Scheinargumente :)

      • Markus Otti sagt:

        Die Kampfrhetorik wird hier – soweit ich die Debatte verfolgt habe – fast nur von denen aufgefahren, die meinen, unbedingt Rituale und Reflexe der bösen Gutmenschen identifizieren zu müssen. Dabei leidet allerdings die inhaltliche Auseinandersetzung. Als unverhältnismäßig empfinde ich va die Kritik, dass es sich hier um "Hysterie" bzw "panisches Geschrei" handelt: Alle wesentlichen Wortmeldungen (die mir bekannt sind: FM4, Sonderegger, Blumenau, Lindinger etwa) argumentieren sachlich und nachvollziehbar. Nun kann man durchaus anderer Meinung sein – nur kann ich die Obsession damit nicht ganz verstehen, den sogenannten Gutmenschen die Oberlehrermaske von der kleinkarierten Fratze reißen zu müssen. Auch wenn dabei abstrakt vieles richtig ist: Hier ist es unverhältnismäßig.

        Und, ganz allgemein: "Es gibt wichtigeres" und "früher hat doch auch niemand was gesagt" sind die hässlichen Geschwister von "mir machen das schon immer so" in der großen Familie der Scheinargumente :)

        • Thomas sagt:

          "Früher hat doch auch niemand was gesagt" habe ich genauso wenig als Argument angeführt, wie ich Blumenau und Lindinger der Hysterie bezeichnet habe. Das die Diskussion aber die Dynamik von wild ducheinander gackernden Hühnern hat, ist finde ich ziemlich offensichtlich. Ich bin ein Gutmensch. Und als Gutmensch halte ich es nicht aus, wenn andere Gutschmenschen mit ihrer Oberlehrerhaftigkeit und ihrer Verabsolutierung der Wahrheit an sich die nur sie kennen der Sache an sich schaden. Politisch bin ich Pragmatiker, und als solcher sehe ich, dass bei aller ideologischer Reinheit und sprachlicher Korrektheit dem Antirassismus an sich hier in der Öffentlichkeit massiv geschadet wird. Er wird als lächerliche, sich mit Kleinigkeiten beschäftigende Sprachpolizei dargestellt. Ich halte nichts von einer Verakademisierung der Politik, solange diese völlig an den meisten Menschen vorbeigeht.

          • Markus Otti sagt:

            Verzeih, ich hab da alle Argumente im Umfeld der Debatte pauschal zusammengewürfelt, unter dem Eindruck, dass du dich eh irgendwie mit ihnen identifizierst…

            Anscheinend führen wir die Diskussion aus völlig verschiedenen Blickwinkeln, was mir ehrlich gesagt erst jetzt bewusst wird. Mir geht es um das inhaltliche Argument der "Mohrengegner" und dessen Berechtigung; wie man das politisch vermitteln sollte, wäre in einem zweiten Schritt zu klären. Freilich ist "gutmenschliche Oberlehrerhaftigkeit" kontraproduktiv. Zunächst muss aber die Debatte auf einer rein inhaltlichen Ebene geführt werden. Wenn diese schon unter dem Blickwinkel "wie schaut das denn aus" geführt wird, begibt man sich auf gefährliches Terrain: Dann zählt nämlich nicht mehr das bessere Argument, so kompliziert und "oberlehrerhaft" es auch klingen mag, sondern nur das "moralische Empfinden" in den niederen Regionen derjenigen, die man dann natürlich auch erreichen muss. Va finde ich in diesem Zusammenhang problematisch, dass (andernorts!) durchaus anerkannte sozialwissenschaftliche Thesen (struktureller Rassismus, Wechselwirkung Sprache/gesellschaftliche Realität etc) in die Nähe von esoterischem Humbug, den nur ein paar linkslinke Kryptokatholiken verbreiten, gerückt wird.

            Ich finde es also natürlich sinnvoll, sich Gedanken zu machen, wie man denn das "Mohrenproblem" vernünftig vermitteln kann; so gesehen verstehe ich deine Kritik. Aber aus der Befürchtung heraus, die Vermittlung könnte nicht gelingen, die Debatte an sich zu verurteilen, halte ich für bedenklich; hier geht der Pragmatismus zu weit.

  6. Zwischenruf sagt:

    Thumbs up für diesen Beitrag!
    Musste zwar stellenweise heftig schlucken, aber das war sicher durchaus beabsichtigt. :-)

    Ich hab mir das Eis heute übrigens gekauft. Hätte ich ohne die hysterische Kampagne sicher nicht gemacht, aber ich lass mir nun mal nicht gerne vorschreiben, was ich denken, sagen, schreiben und kaufen darf.

  7. [...] auch » BäckBlog: PC » Feuerhaken: Captain Gutmensch rettet die Welt » Zwischenruf: Geht’s bald auch den Schwedenbomben an den [...]

  8. [...] Dominik Leitner und Philip Steiner einerseits bzw. Gerald Bäck,  Andy Gabmeyer, Mathias Baumgart, Thomas Knapp und Tom Kalkus andererseits. VN:F [1.1.6_502]bitte warten…Bewertung: 3.2/5 (16 Bewertungen [...]

  9. saibot sagt:

    bissl über Ziel hinausgeschoßen – sonst netter Ansatz.

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