Einführung in die politische Kommunikation: Grüne Vorwahlen

Themenstelltung: Kommunikation nach Außen, im politischen Bereich, am Beispiel der Grünen Vorwahlen. Anforderungen: Wissen um die Initiative setzte ich für diesen Artikel voraus, wie man sie bewertet, ist hierfür aber irrelevant. Beschreibung: Robert Korbei ist Landesgeschäftsführer der Grünen. Damit ist er nicht nur für Organisation nach innen, sondern, neben anderen, auch für Kommunikation nach außen, über die Medien, verantwortlich. In dieser Funktion gab der dem “Standard” nun bekannt, dass von den 798 Unterstützer-Anträgen ca 400 angenommen werden. Das Wesen der öffentlichen Kommunikation scheint dabei bei den Wiener Grünen niemand so recht verstanden zu haben. Die wichtigste Devise hierbei, gerade für Politiker, sollte wohl “Vertrau nicht darauf dass dich die Medien gut aussehen lassen” lauten, zumindest sofern man nicht wirklich ein sehr enges Verhältnis zum betreffenden Journalisten hat1 Eigentlich sollte man bei allen öffentlichen Äußerungen, speziell wenn sie sich direkt an die Presse richten, bedenken, dass die Journalisten diese filtern, und zwar in der Regel weniger nach Relevanz als nach Griffigkeit und Schärfe, nach inhaltlichen Kriterien der Art “Löst vielleicht Kontroverse aus” oder “Beleidigt jemand” etc. Das ist ganz selbstverständlich, hat auch mit der Funktion der Medien als kritisches Korrektiv zu tun (nicht dass sie es in der Regel deshalb machen, aber sie erfüllen diese Funktion teilweise dennoch). Die Wiener Grünen aber agieren im besten Fall tollpatschig. Von Anfang an gab es mit den Grünen Vorwahlen Probleme. Das fing damit an, dass es kein einheitliches Auftreten nach außen gaben, und Gemeinderäte wie Christoph Chorherr, Marie Ringler und Maria Vassilakou ihrem Parteivorstand öffentlich ausrichteten, dass dieser etwas falsch/unglücklich macht. Interessanterweise sprang da aber keine Zeitung auf um einen innerparteilichen Streit zu inszenieren. Hätten sie vielleicht gemacht, wenn es sonst nichts zu berichten gäbe. Aber der Bericht über Parteimitglieder gegeneinander ist weniger interessant als der über einen Parteivorstand gegen seine Wähler/Unterstützer.2 Und der Parteivorstand spielte mit. Von Anfang an, spätestens ab den ersten, medial überhaupt nicht vorbereiteten Ablehnungen, erhielten alle Interessierten das Bild der ängstlichen um möglichst geringe Durchlässigkeit bemühten, misstrauischen und gerne unter sich bleiben wollenden Partei präsentiert. Verbunden mit einer Geringschätzung für jene die sich als Unterstützer beworben haben. Das fing damit an, dass man nicht in der Lage war zu kommunizieren was man wie und warum tut (ich weiß das bis heute nicht), womit man auch Spekulationen Tür und Tor öffnete. Das ging damit weiter, dass man allen ernstes schwachsinnige Kriterien wie “Wurde das richtige Formular verwendet” bekannt gab, aber keine sinnvollen. Das geht damit weiter, dass man alle Abgelehnten pauschal beleidigt indem man nicht kommuniziert dass es viele Gründe gab und man sich alles individuell angeschaut hat, sonder verlauten lässt:

Die hohe Zahl an abgelehnten Bewerbern gehe darauf zurück, dass diese Anträge offensichtlich als Freundschaftsdienst für einzelne Kandidaten gewertet werden müssten

Verbesserungsvorschläge (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): 1) Von Anfang an Freude über die große Unterstützerzahl zum Ausdruck bringen (auch wenn man sie nicht empfindet und Panik hat). 2) Viel schneller arbeiten. Dann muss sich der Vorstand eben eine Alternative zu seinen seltenen Treffen einfallen lassen, aber allein die Dauer des Entscheidungsprozesses hat das Thema medial mehrfach hochkochen lassen. 3) Vorsichtiger und Vernünftiger kommentieren. Öffentliches Nacherzählen von Verschwörungstheorien, parteiinternen Flügelkämpfen und angeblichen Freundschaftsdiensten, während man aber von einer anderen Gruppe die gezielt Unterstützer sammelt ohne an den Grünen, sondern nur an einem guten Listenplatz interessiert zu sein, weiß, diese aber nicht erwähnt, erscheint mir vollkommen unbegründbar. 4) Absprechen. Absprechen. Absprechen. Die Interessierten haben so viele verschiedene Standpunkte zu hören bekommen, dass im Endeffekt niemand wirklich gut dasteht. Maria Vassilakou etwa hat gemeint, dass fast alle (oder zumindest 3/4 der) Anträge angenommen werden, jetzt ist es knapp die Hälfte. Sieht super gut aus. Entweder hat sie ihren Einfluss überschätzt, oder sie hat keine Ahnung von ihrer Partei, oder sie hat gelogen um zu beruhigen (ich denke es war eine gut gemeinte, naive Äußerung).

  1. Werner Faymann kann Wolfgang Fellner alles erzählen. Die grün-affinste Zeitung ist aber der ungleich kritischere “Standard”.
  2. Hier wird der Begriff nicht primär in dem Sinn verwendet, indem er im Statut der Wiener Grünen vorkommt.

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4 Responses to “Einführung in die politische Kommunikation: Grüne Vorwahlen”

  1. Helge sagt:

    Danke, hervorragend zusammengefasst. Vor allem die immer wiederkehrenden Wählerbeleidigungen, indem die Grünen Vorwahlen unabsichtlich oder absichtlich – aber zumindest wissentlich in die Nähe der Massenunterstützungserklärungen (gleiche Schrift, etc.) einer anderen Initiative gebracht werden, sind sehr sehr ärgerlich.

  2. max sagt:

    wunderbar zusammengefasst!

  3. Der Wiener Landesvorstand bildet mit seinen Handlungen und seinem Stil ein deutliches Gegengewicht zu der klaren, offenen und einladenden Haltung von Maria Vassilakou und vielen anderen weithin respektierten Grünen.

    “Das alles macht,” um Korbei den Älteren zu zitieren, “nicht wirklich den besten Eindruck” – ist aber zu akzeptieren. Geradezu prophetisch klingen heute diese Worte des Grünen Landesgeschäftsführers aus seinem offenen Brief vom 7. Mai, nicht wahr? Aber wollen wir als Vorwähler aktive FunktionsträgerInnen öffentlich belehren, wie Sie ihren Job noch besser machen können? Geschenkt. Die Conclusio?

    Die Grünen brauchen Veränderung. Change will come to Vienna.

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