Auch das kann akademische Philosophie sein

Es gibt, zumindest nach meiner Erfahrung als Philosophiestudent, im wesentlich zwei populäre Vorstellungen von Philosophie. Die eine ist, grob gesagt, die, dass Philosophen den Sinn des Lebens suchen, die “letzten Fragen” (Wo kommen wir her und wo gehen wir hin?) klären will. Dies machen aber eher die Theologie (die meist ein philosophisches Anhängstel hat, dessen Philosophen nur blöderweise bestimmte Tabus nicht denken dürfen und für nicht beweisbare Ideen Beweise suchen sollen) und ihr enge Verwandte, die Esoterik. Die (akademische) Philosophie eher nicht. Die zweite populäre Vorstellung von Philosophie ist jene, dass Philosophen Menschen sind, die sich mit vielleicht spannenden, aber eigentlich sinnlosen Fragen wie “Wenn in einem Wald ein Baum umfällt und niemand dort ist, der es hören kann, hat er dann trotzdem ein Geräusch gemacht?”1 beschäftigen. Wenn jemand hochtrabende, unverständliche oder sinnlose Überlegungen anstellt, sagt der Volksmund von dieser Person auch gerne, dass sie philosophiert. Ich habe dieses Semester nun einen Philosophen kennen gelernt, der diesen Klischees schlicht und einfach nicht entspricht. Jeff McLaughlin ist Assistant Professor für Philosophie an der Thompson Rivers University in Kanada. Er hat einige interessante Texte darüber geschrieben, wie man Philosophie lernen sollte. Seine letzte “größere” Publikation war das Buch “Comics as Philosophy“, im Herbst dieses Jahres erscheint “Philosophy in Black, White and Color” wo es dann um das Medium Kino/Film geht. Ich besuche bei ihm die Vorlesung “Computer Ethics” die, wie der allgemeine Name andeutet, eine grundlegende Einführung in die ethischen Dimensionen und Fragestellungen darstellt, die mit den “neuen” (so neu ist vieles davon ja nicht mehr) Technologien aufgekommen sind. Wobei die meisten Fragestellungen klarerweise mit dem Internet zu tun haben. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, worum es geht, kann man diesen kleinen Test machen. Die Vorlesung begann mit einer kurzes historischen Einführung in die Geschichte der Computer und des Internets (ein kurzer Überblick über die wichtigsten “Pioniere” des Internets). In der Vorlesung, das muss ich erwähnen, sitzen wir Studenten an PCs und bekommen zusätzlich Informationen via Beamer an einer Videowall präsentiert, etwa diese hier:
Oder auch über Sinn und Zweck und Nutzen des Internets. Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, muss ich (leider) klarstellten, dass Jeff McLaughlin in den zehn Jahren in denen er nun regelmäßig nach Graz kommt, nie am Institut für Philosophie der Uni Graz gelehrt hat. Er lehrte an der FH Joanneum und am am Zentrum für Informationsmodellierung in den Geisteswissenschaften der Uni Graz (nur deshalb ist die technische Ausstattung so gut).

  1. Die Antwort ist, vorausgesetzt man ist kein Skeptiker im Bezug darauf dass die Außenwelt real ist und wir sie erkennen können, übrigens einfach “ja”, aber das liegt an der Fragestellung. Das Problem auf das sie abzielt ist selbstverständlich der Skeptizismus.

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4 Responses to “Auch das kann akademische Philosophie sein”

  1. Mathias sagt:

    Geht es bei dieser meines Wissens nach Berkeley'schen Frage nicht eher um Belange der Erkenntnistherorie? Also um die Frage, ob nicht nur das Wahrgenommene wirklich existiert (und zwar dadurch, dass es wahrgenommen wird und somit auch nur in unseren Köpfen) und nicht auch das Gegenteil? Irgendjemand meinte ja mal (weiß nicht, ob es nicht eh auch Berkeley war), dass ein Kasten, den ich sehe und fühle, gar nicht real existent ist, sondern mir bloß von Gott das Bild des Kastens bzw. das Gefühl des Holzes, wenn ich es angreife, in meine Vorstellung gepflanzt wird.

    Ohne nun auf die Computer Ethics speziell eingehen zu wollen, sehe ich die Philosophie mittlerweile ein wenig zwiespältig. Obwohl ich ein großer Fan dieser Geisteswissenschaft bin, sehe ich einen realen Nutzen eigentlich nur im (zugegebenermaßen sehr großen) Teilgebiet Ethik, wohingegen man auf den Gebieten Erkenntnistheorie und Metaphysik ja normalerweise kein belegtes Wissen, wie das in anderen Wissenschaften auftritt, erlangen kann. Dennoch kommt es mir so vor, als würden viele Philosophen (ich kenn da auch einen persönlich) so argumentieren, als wären die Thesen beispielsweise Aristoteles' oder Kants als unumstößliche Axiome zu akzeptieren und das einzig Sinnvolle wäre, lediglich darauf aufzubauen anstatt sie zu hinterfragen. Damit wird aber einerseits das Grundprinzip der Wissenschaft, nämlich die immer stattfinden könnende Falsifikation, außer Kraft gesetzt, andererseits so getan, als handle es sich beispielsweise bei den Überlegungen zu Kants 12 Kategorien um einen echten Erkenntnisgewinn. Dabei ist dieser nur so lange gegeben, wie man ihn als einen solchen auch akzeptiert, da es in der Philosophie mangels außersubjektivischer Beweise eben nur Meinungen und nicht Erkenntnisse gibt.

  2. Sebastian sagt:

    Verschiedene sachen, die nicht zusammenängen:
    - Auf der Uni Wien erlebe ich die Trennung in der Pjilosophie eher entlang der Linie "Wir sind Wissenschaftlich!" und "Wir sind Phänomenologen/Heideggerianer!". Aber auch hier pendeln viele Studenten zwischen Selbsttheraphie und Selbstdarstellung.

    - Wenn man die Idee verfolgt, eine "Außenwelt beweisen" zu wollen, dann wird Hume immer das letzte Wort haben. Ich persönlich halte es für spannender, sich von der Abbildungstheorie der Wahrheit zu lösen, Wittgenstein, Rorty, Derrida, Quine und andere zu lesen, und sich zu Überlegen, wie man Wissen (und damit unser Umgang mit sogenannten "Fakten") anders verstehen könnte. (oder Michael Williams: "Truth is nothing, that we should have a Theory about")

    - wenn man das versucht, wird man vielleicht auch für Weltanschauungen/Sprachspiele, die man selber nicht vertirtt, mehr Respekt haben, beispielsweise die Theologie, die für den Kulturraum Europa lange Zeit enorme Wichtigkeit hatte. Aber die Zeiten haben sich verändert und man wird schauen müssen, wie weit man mit Gottesbildern oder Platon als Begründung noch kommt. Ich glaube, nicht sehr weit…

    lg

  3. Mathias sagt:

    Nachtrag: Die Theologie ist der Philosophie in dieser Hinsicht sogar noch hinterher, weil sie einerseits ebenfalls auf unbeweisbaren Thesen aufgebaut ist, andererseits aber sowohl einen dogmatischen Allgemeingültigkeitszustand postuliert, als auch ihre gesamte Ethik auf so ein Dogma (Heilige Schrift ist unfehlbar, weil von Gott diktiert) stützt. Das ist meines Erachtens nach noch bedeutsam schlimmer als eine Philosophie, die zumindest in ethischen Belangen immer wieder individuell neu definiert werden kann.

  4. Thomas sagt:

    1) Ja, sicher geht es dabei um Erkenntistheorie. Da ist ja auch der Skeptizimus beheimatet. Das Kastenbeispiel kenn ich nicht, klingt aber sehr nach Berkeley. Der meinte ja, "esse est percipi" und war Idealist.

    2) Nach meine Dafürhalten vermischt du da jetzt einiges. "Realer Nutzen" ist schwierig zu definieren, ich kann mir jedenfalls nichts konkretes darunter vorstellen. Ein Philosoph der Theorien oder Meinungen von Kant, Aristoteles, Platon, etc. als unumstößliche Axiome behandelt, ist ein Trottel, aber ich kenne keinen, der das macht. Zum Beispiel in der Ethik bzw. Rechtsphilosophie wirst du denke ich kaum jemand finden, der Kants kategorischen Imperativ für gültig hält, aber der Gedanke ist interessant und verlockend. Das aber in der Philosophie kein linearer Fortschrtitt gemacht wird, und deshalb Ideen und Denkmuster von vor 2000 Jahren auch heute noch hilfreich und relevant sein können, ist etwas anderes. Das von dir angewandte Kriterium der Falsifikation ist aber zB ein "realer Nutzen" der Philosophie, der Wissenschaftstheorie. Auch die Erkenntnistheorie halte ich jetzt nicht gerade für unwichtig, immerhin kann es, gerade für Natur- und Sozialwissenschaftler, ganz nützlich sein, mal zu reflektieren, das bis heute niemand die Existenz einer Außenwelt beweißen kann.

    3) Die Theologie ist ein lächerlicher Haufen von Denkverboten und Widersprüchen, die im wesentlichen zu Ausbildung katholischer Amtsträger dient und aus all diesen Gründen genau nichts an staatlichen Universitäten verloren hat.

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