Mein ÖH-Wahlkampf

Diese ÖH-Wahlen waren die zweiten nach 2007, denen ich nicht nur am Rande, als in Zukunft studieren wollender, folgte, sonder die ich aktiv miterlebte. 2007 wie 2009 war ich Wähler. 2007 wie 2009 war ich Wahlkämpfer für den VSStÖ, ohne tatsächliches Mitglied zu sein. 2007 habe ich nirgends kandidiert, 2009 als Studienvertreter in meinem Studium der Philosophie. Soviel vorweg zu meiner Befangenheit in der Beurteilung der Dinge.

Ich möchte hier gar nicht groß über politische Inhalte und Ideen schreiben, oder meine Meinung über die einzelnen Fraktionen kundtun. Stattdessen möchte ich einfach schildern, wie ich den Wahlkampf so erlebt habe. Eben, wie oben angedeutet, aus meiner kandidierenden und wahlwerbenden Perspektive.

Die Entscheidung als Studienvertreter zu kandidieren war schon im Laufe des Jahres 2008 gefallen, und Anfang 2009 hatte ich mich auch aus diesem Grund einer sich formierenden Gruppe von engagieren Studierenden, letztendlich IG Philosophie genannt, anzunäheren, da ich einerseits davon ausging, das es dumm wäre, alleine zu kandidieren, wenn es doch eine engagierte Gruppe gibt. Andererseits dachte ich mir auch, dass es wohl keinen Sinn machen würde, gegen die organisierten Studierenden zu kandidieren (womit ich unrecht hatte).

Beim VSStÖ, mit dem ich seit meiner Mitarbeit im Wahlkampf 2007 praktisch nichts zu tun hat, war es auch an der Zeit vorbeizuschauen, schließlich war ich irgendwie auch einer ihrer StV-Kandidaten. Außerdem wollte ich ganz einfach die beste Fraktion im Wahlkampf unterstützen. Da war ich dann gleich eine Art “Experte”, weil es darum ging, einen kleinen Internetwahlkampf zu führen (der dann aber nie richtig abhob).

Im allgemeinen Uni-Leben merkte man zu diesem Zeitpunkt, kurz nach Beginn des Sommersemesters, noch herzlich wenig davon, dass dieses Semester ÖH-Wahlen stattfinden würden. Dafür kam ordentlich Leben in die IG Philosophie die, so kommt es mir zeitweise vor, wie ein PingPongBall zwischen ehrgeizigen Projekten hin und her schießt. Innerhalb kurzer Zeit und ohne große Erfahrung wurden viele Veranstaltungen (mehrere Stammtische, interdisziplinäre Studiengespräche mit den Historikern, ein philosophischer Vortrag (“Audion”), eine Informationsveranstaltung zur ÖH-Wahl) durchgeführt, die es davor nicht gab. Das war spannend.

Die Zeit verging, und das “ÖH-Wahlen” hielt vereinzelt Einzug in diverse Konversationen. Der VSStÖ kam, wie alle Fraktionen, langsam in die Gänge. Plakate und Flyer wurden entworfen, gedruckt, verteilt und geklebt. Die Fraktionen bemühten sich den Studierenden etwas zu bieten, die einen politische Diskussionsveranstaltungen und Filmabende (KSV, GRAS und VSStÖ), die anderen Freibier. Nach der “Jetzt geht’s los”-Euphorie beschlich mich nun erstmals das Gefühl, dass die Wahl auch schlecht ausgehen könnte (sowohl für mich, als auch für den VSStÖ).

Im Gegensatz zu 2007 griff der VSStÖ recht selten auf mich zurück, weshalb ich den Großteil der “heißen Phase” als Beobachter erlebte, und erst in den letzten Tagen an Infoständen aktiv wurde. Das war eine merkwürdige Erfahrung, den im Gegensatz zu anderen Wahlkämpfen (für die SPÖ) traf ich nie auf Menschen die Fragen stellten, Inhalte wissen wollten, Kritik an uns übten oder den VSStÖ beschimpften. Man holte sich die Wahlgeschenke ab und ging weiter.

Auf der Philosophie hatte inzwischen eine Informationsveranstaltung (organisiert von der IG Philosophie) stattgefunden, zu der alle Kandidaten für die StV geladen waren, sich allen Studierenden die das sehen wollten, vorzustellen. Letztendlich kamen nicht besonders viele Studierende, was für mich vielleicht gar nicht schlecht war, den meine Performance war unter aller Sau verbesserungswürdig (ich habe genau gar nicht nachgedacht bevor ich anfing zu sprechen, entsprechend wirr und lückenhaft waren meine Statements, war wohl etwas zu locker an die Sache heran gegangen). Allgemein schien auch hier kein besonderes Interesse an der Wahl zu herrschen, den ich wurde nie auf meine Kandidatur angesprochen, auch als diese durch das Soziale Netzwerk (NING) der IG Philosophie, die Website der IG, verteilte Berichte über die Infoveranstaltung und Flyer vom VSStÖ recht bekannt gewesen sein muss.

“Wahleuphoriker” der ich bin, war ich dann bereits am Dienstag Vormittag wählen, auch um das sich anbahnende Gefühl der Leere (nachdem ich doch monatelang ein Ziel vor Augen hatte, für das etwas zu tun war) abzufangen. Das funktionierte aber nicht.

Die Zeit verging langsam und ich war neugierig. Ab Donnerstag war ich dann auch richtig nervös, gerade weil man die ÖH-Wahlen so gut wie keine Möglichkeit hat, das Ergebnis abzuschätzen. Am Abend, ich folgte den diversen Live-Tickern, kam dann doch kein richtiges Wahlfeeling auf, vor allem, weil sich alles so hinzog. Kurz wurde die Langeweile von Freude unterbrochen, als das ausgezeichnete Ergebnis des VSStÖ an der MedUni Graz bekannt wurde. Es ist immer schön, wen gute Arbeit belohnt wird, gerade wenn einem andere Fraktionen übel mitspielen wollen.

Letztlich zeichnete sich ab, dass das Grazer Ergebnis erst im Laufe des Freitags kommen würde. Was dazu führte das ich Freitag Vormittag andauernd diverse News-Portale aktualisierte (zumindest bis ich auf die Uni musste). Dann war das Ergebnis da, und ich war schockiert. Der bundesweite Trend hatte auch vor dem VSStÖ Graz nicht Halt gemacht, was einen signifikanten Stimm- und Mandatsverlust bedeutete (ich kann und will hier weder eine Erklärung noch eine Analyse liefern). Nach dem vierten oder fünften Mal lesen akzeptierte ich die Zahlen, und klickte nervös zu den Ergebnissen der StV-Wahlen. Und dann freute ich mich doch sehr, dass ich mit 75 Stimmen relativ deutlich in die Studienvertretung gewählt wurde. Insgesamt war ich mit der Zusammensetzung der StV sehr zufrieden, bis es zu einer Verschiebung durch die nachgereichten E-Voting-Stimmen kam, Christopher, den ich sehr schätze (nicht nur weil wir Genossen sind) fiel raus, was auch einen Verlust an Erfahrung und KnowHow bedeutet, da er im Senat der Universität sitzt und in der Universitätsvertretung der ÖH saß. Schade fand ich auch dass das ambitionierte Projekt einer neuen liberalen Liste, genannt Veritas (siehe auch mein E-Mail-Interview), von den Studenten überhaupt nicht angenommen wurde (Veritas erhielt 118 Stimmen, der RFS 275, der KSV, die stimmschwächste Fraktion mit Mandat in der UV 356).

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