Chrysler, GM und Opel: Wofür die Krise nichts kann
Seit längerem frage ich mich – wo ist die Krise von Toyota, Hundai, Nissan, Renault, Citroen und anderer Automobilhersteller, vornehmlich jener die kleine und energieeffiziente Autos bauen? Opel, Chrysler und General Motors geht es nicht erst seit der Finanzkrise schlecht. Vielmehr verhält es sich so, als ob man den zu faulen begonnenen Verband einer Verletzung abnimmt, um festzustellen, dass die Hand dann abfällt, weil nichts außer dem Verband sie mir festhielt. Fast so lange wie der Trend zu “City-Flitzern” und sparsamen Autos letztendlich auch die USA erfasst hat, wurde über die Probleme die dies für einige us-amerikanische und europäische Autokonzerne bedeutet, gesprochen. Und trotzdem haben diese bis heute die Trendwende nicht geschafft. Wenn meine Anteile an den Absatzmärkten andauernd zugunsten von anderen Arten von Autos (es handelte sich ja nicht (bloß) um ein Image-Problem) zurückgehen, habe ich ein Problem. Wenn ich aber auf alles andere (Verlegung von Produktionsstätten, Imagekampagnen) reagiere, und nicht damit rechne dass der ganze Markt auch mal stagnieren oder kleiner werden könnte (was für eine Überraschung!), zeige ich, dass ich ein Idiot bin. Nicht die Krise führt die Konzerne an den Rand des Untergangs, sondern jahrelange Ignoranz bzw. Unfähigkeit bekannte Strukturprobleme zu lösen.


Das große Probem von GM, Crysler und Ford sind die Gewerkschaften. Gewerkschaften funktionieren in den USA anders als bei uns. Im Prinzip kann eine Firma nur mit oder ohne Gewerkschaft sein. GM, Crysler und Ford sind “Unionised”, im Gegensatz von allen anderen Autoherstellern in den USA (z.B. Toyota). In Zeiten, in denen es der Automobilindustrie gut ging, haben die Gewerkschaften Verträge durchgesetzt, die heute nicht mehr finanzierbar sind. Das betrifft einerseits die Arbeiter, die teurer sind aber vor allem auch die sog. Legacy Costs, das sind Milliarden an Kosten, die für pensionierte Arbeiter ausgegeben werden müssen.
Aufgrund der höheren Kostenstruktur sind GM, Ford und Crysler nur bei den teureren Autos konkurrenzfähig und das sind z.B. SUVs. City-Flizer sind nun mal nicht nur klein sondern auch billig und “the big three” können diese in den USA nicht zu einem konkurrenzfähigen Preis produzieren.
Aus diesem Grund wäre ein Konkurs eine gute Lösung, da sie dann die Gewerkschaftsverträge abschütteln könnten. Das ist aber politisch nicht durchsetzbar, wie man jetzt bei Crysler sieht. Die Regierung bereitet zur Zeit einen Konkurs von Crylser vor, aber unter den Konditionen, dass nachher die Gewerkschaft der Mehrheitseigentümer ist, z.B. auf Kosten der “Senior Bonds Holder” (das sind Anleihen, die bei einem “normalen” Konkurs vor allem anderen eingelöst werden müssten – ins besondere vor den Aktien und die Gewerkschaften besitzen Aktien und nicht Anleihen).
Das Problem ist aber, dass man den Leuten einreden kann, dass die Finanzkrise schuld wäre. Die Finanzkrise ist derzeit an allem schuld: an der Misere der Autokonzernen, an Arbeitslosen, an der Verspätung der bestellten Pizza. Es ist einfach ein Schreckgespenst, mit dem wir uns ein wenig ängstigen können, mit dem wir neue sinnlose Sachen beschließen können.
Sehr schöner Vergleich mit dem Verband :D Sehr passend!
Dem würde ich vollkommen zustimmen. Natürlich ist eine Krise eingetreten, aber man sieht ja auch, dass zukunftsorientierte Unternehmen sich auch in solchen Zeiten über Wasser halten können. General Motors allerdings scheint in keinster Weise für alle Eventualitäten gewappnet gewesen zu sein, sondern ganz im Gegenteil viel zu versteift auf veraltete Pläne. Ich hoffe nur, dass die jetzt bald mal Entscheidungen fällen, damit die betroffenen Unternehmen endlich irgendeine Art von Basis haben, von der aus man weiterplanen kann.