Laizismus-Initiative vorm Verrecken?
Die Laizismusinitiative von Niko Alm ist jetzt auch schon über ein Monat alt. Seit ich mich als 24er Unterstützer eingetragen habe, ist die Zahl auf 1291 Unterstützungserklärungen angewachsen. Deren Wachstum hat sich aber deutlich verflacht. Massenmedial ist die Initiative nicht bemerkt worden. Die einzige Berichterstattung in den “alten” Medien fanden im “Datum” und in (vormals von Alm herausgegebenen) “The Gap” statt. Die Presseaussendung blieb weitgehend ungehört. Nur dank Robert Misik schaffte man es zumindest auf derstandard.at. Die Möglichkeiten des Web 2.0 scheinen erschöpft (wie etwa Facebook oder Twitter).
Das Problem scheint klar – die Initiative ist über einen bestimmten Kreis an Personen nicht hinaus gekommen. Die Überschneidung zwischen “Datum”-Lesern, “The Gap”-Lesern, Misik-Schauern und Web 2.0-Begeisterten ist sicherlich recht groß, jene daraus, die die Laizismus-Initiative gut finden, haben wohl schon unterschrieben. Dieser Kreis ist aber auch nicht besonders groß, und die Penetration anderer Medien durch ihn offenbar enden wollend. Noch dazu bei einem kontroversen und gerade in Österreich heiklem Thema, und wohl erst recht wenn es so offensiv (fast aggressiv) angegangen wird. Gerade die Eigenheiten des Themas machen es wohl notwendig, dass wirklich viele Menschen von der Initiative erfahren, wenn man auf eine signifikante Anzahl von Unterstützungserklärungen kommen will. Was ich damit meine – die Laizismusinitiative ist keine “Wir wollen den Weltfrieden”-Petition die jede Schönheitskönigin unterschreiben würde. Es gibt wahrscheinlich genug Leute, die von der Petition erfahren haben, aber denen das Thema einfach nichts sagt oder egal ist. Wurschtigkeit gepaart mit Machtlosigkeit (niemand kann ersnsthaft davon ausgehen, dass die Initiative wirklich etwas ändert) dürfte ein weiterer Grund sein, warum viele sich nicht so recht für die Initiative begeistern dürften. Wenn dann noch die Initiative selbst eine “Vodka statt Messwein”-Party gibt, die bei vielen den Eindruck hinterlassen könnte, man nehme sich ja nichteinmal selbst ernst (Ich hab kein Problem damit, aber ich habe gelernt, dass die meisten Menschen anders denken als ich), dann braucht man sich aber auch nicht wundern. Die Initiative (wer ist das eigentilch außer Niko Alm?) schreibt (geradezu naiv) über sich:
Eine Trägerorganisation gebildet aus ProfessorInnen und AltpolitikerInnen kann die Laizismus-Initiave auch nicht vorweisen. Aber wozu auch? Reicht das Engagement von einfachen BürgerInnen nicht aus?
1) Wozu? Um Aufmerksamkeit zu bekommen und ernst genommen zu werden. 2) Nein, wann hätte Engagement einfacher Bürger ohne prominente Unterstützung in den letzten 10 Jahren jemals für irgendwas gereicht? Das Merkwürdige dabei ist, dass sich eigentlich ein paar (Semi-)Prominente finden lassen müssten, die man als Unterstützer führen darf. Da Niko Alm aber ein Werbeprofi ist (Super-Fi) gehe ich davon aus, dass das bewußt unterlassen wurde, und kein Versäumnis ist. Nur wieso? Zusammengefasst ist das Web 2.0 nicht in der Lage, eine Initiative zu einem kontroversen und Bildung/Wissen voraussetzenden Thema zu tragen. Wenn dann auch die “alten” Medien nicht mitspielen, werden bereits 2000 Unterstützungserklärungen zu einem schwer zu erreichenden Ziel. Von den gewünschten 10.000 bzw. 16.000 keine Rede.


Thomas,
es freut mich ja, dass dir das Thema so nahe geht, dass du es weitgehend richtig analyltisch zerpflückst. Interessanter sind wahrscheinlich aber die Punkt, wo ich anderer Meinung bin. Der Plan der Laizismus-Initiative war nicht binnen weniger Wochen eine große Anzahl von Unterschriften zu sammeln. Das ist einfach unrealistisch: kein Budget, kaum (Wo)Manpower im Hintergrund, ein bescheidenes persönliches Netzwerk sind keine guten Voraussetzungen, um Massenphänomene loszutreten, v. a. bei einem bei genauerer Betrachung sperrigen Thema. Wo ich widerspreche und worum ich der Meinung bin, dass wir auf dem richtigen Weg sind, ist z. B. der Punkt, dass wir die Reichweite des persönlichen Netzwerks bereits weit überschritten haben. Die Selbstwahrnehmung unserer kleinen österreichischen Web2.0 Heavy-User ist leider auch sehr von Selbstüberschätzung getragen, wieviel durch diese kleine Community bewegt werden kann. Der große Schwung ist in den ersten beiden Tagen mit 300 Unterschriften erledigt gewesen. Jetzt liegen wir bei 10-15 pro Tag. Wenn das anhält werden es in ein paar Monaten ein paar Tausend sein. Die Zahl der konstruktiven Inputs und Mails an die Initiative nimmt nämlich bei gleichzeitigem abflachen der Kurve gegenläufig zu. Es kann klarerweise auch anders kommen…
Zur Naivität bzgl. Promis: Ich gebe zu ich bin hin- und hergerissen. Mir taugt es natürlich nicht, dass das Ding nur mit prominenter Unterstützung fliegt, klarerweise ist mir dieser Schuhlöffel für alte Medien bewusst. Ich geb dir ein paar prominente Namen, die auch in der Presseaussendung waren: Bernd Marin, Robert Misik, Heinz Oberhummer und bei genauer Durchsicht der Liste findest du ein paar mehr.
Glaub mir (haha) mir, ich bin selbst sehr ungeduldig, aber wir sollten uns doch ein paar Monate Zeit geben, um das auch weiterzuentwickeln. Ich denke nicht ums Verrecken an ebendieses.
Du hast recht, ich schreibe solche kritischen Beiträge nur über Dinge die mir wichtig sind. Ich hab einfach den Gedanken im Hinterkopf, dass ein paar tausend Unterschriften in ein paar Monaten kein großer Erfolg sind (ich kann aber nicht begründen wieso, ist wohl ein irrationales Vorurteil). Es freut mich, dass es viele konstruktive Inputs gibt, ich befürchte einfach, dass die Zahl der Unterstützer weiter abflachen wird, wenn nicht ein (medial) Schub kommt. Bzgl. der Selbstüberschätzung der Web2.0-Heavy-User hast du sicher recht, aber gerade deshalb fände ich es wichtig, auch außerhalb dieses Bereiches präsent zu sein bzw. Unterstützung zu erhalten.
Das kann aber auch daran liegen, dass der gelernte Ösi durch diverse Kampagnen in der Vergangeheit einfach noch Angst hat, sich im Internet zu bewegen, noch dazu NICHT anonym – es könnte ja, um eine grad passende Redewendung zu gebrauchen "Weiss Gott was passieren!" Ausserdem sind die kolportierten Massenphänome des Web2.0 auch alle in Wirklichkeit gar nicht sooo schnell passiert, wie uns die Medien immer erzählen wollen. Man muss den Schneeball immer erst solange hochrollen, bis er dann gross genug ist, um von selber ins Tal zu rasen….
Das stimmt schon, nur, um in der Metapher zu bleiben, ich frag mich einfach, ob da noch Schnee ist, den man aufrollen kann, oder ob die kritische Masse einfach nicht erreicht wurde?
Das war ja klar.
Erstens überschätzen viele Blogger offenbar die Reichweite der Bloggosphäre. Christoph Chorherr kam bei seinem populärsten Video auf 1000 Zuseher. Selbst die kontroversiellen Aussagen Bischof Wagners haben sich nur etwa 30.000 angesehen.
Die Ami-Blogs sind zwar viel größer. Das darf uns aber nicht täuschen, denn die schöpfen aber aus 300 Mio Amis + potentielle internationale Leser. DerStandard und DiePresse haben jeweils so 250.000 Leser. Mit einer Internet-Aktion kann man nur einen Bruchteil davon erreichen. Und darüber hinaus ist das Internet auch noch extrem fragmentiert. Es hat auch nicht jeder Zeit bei jeder der hundert gleichzeitg laufenden Aktionen mitzumachen.
Internet-Petitionen gibt es ja schon seit längerem. Die meisten bekommen nicht viele Unterstützer und bleiben ungehört. Wenn man es mit einer Organisation aufnimmt, die zumindestens formell Millionen von Mitgliedern in Österreich hat, geht so eine Petition eher nach hinten los.
Trotzdem können Blogger und Bewegungen sehr viel erreichen. Goldwater, moveon.org, netroots, think tanks, die Amis zeigen es vor und zwar mit PR. Man braucht Argumente, Recherche, talking-points, Fakten, die leicht merkbar sind und als Meme zum Allgemeingut werden können und sich so von selbst verbreiten. Der Unglaube ist über diese Mechanismus seit einigen Jahrzehnten sowieso auf der Siegerstraße, ohne, dass das von irgendwem orchestriert würde. So kommt es, dass die Hälfte der Katholiken nicht mehr an Gott glauben. Nun müsste man Bewusstsein für die Verstrickungen von Kirche und Staat schaffen, populäre Mythen über die Angebliche Wichtigkeit einer Kooperation zw. Kirche und Staat entkräften und die öffentliche Meinung und die der Eliten auf die eigene Seite bringen. Das ist aber eine Angelegenheit von zehn Jahren.
Hauruck-Aktionen enden hingegen meistens in einem Strohfeuer.
Ich weiß schon, dass das nicht ganz hierher passt, aber…
OH MEIN GOTT… äääh MEINE GÜTE, WAS IST HIER PASSIERT? Warum sieht die Seite hier auf einmal aus wie Laizismus.at? Ich will das vorherige Design wieder!
So schlimm? Naja, die Arbeiten sind ja noch nicht abgeschlossen…