Wer rettet den ORF?
Das nicht nur die veraltete Zentrale am Küniglberg in schlechtem Zustand ist, sondern der ORF an sich, darf nach den zahlreichen Berichten und Analysen der letzten Zeit wohl als Allgemeinwissen betrachtet werden. Alles was die SPÖVP-Regierung dazu gesagt hat (und das ist wenig), lässt auf nichts gutes schließen. Das die von vielen Seiten als “unabhängig wie schon lange nicht” angesehene ORF-Information unter Elmar Oberhauser auch in meinen Augen recht gute Arbeit macht (im Gegensatz zur ORF-Unterhaltung unter Wolfgang “Scheiß Internet” Lorenz), d.h. kritische Berichterstattung ohne Rücksicht auf die Regierung, dürfte der “guten alten großen Koalition” wohl wirklich nicht gefallen. Deshalb soll ein neues ORF-Gesetz her, dass die Dinge ins Lot bringt.
In Alexander Wrabetz haben SPÖVP einen schwachen Gegner, den sie leicht ersetzen können. Die schlechte finanzielle Performance des ORF wird gegen ihn in Stellung gebracht, auch wenn er für die maßgeblichen Faktoren nichts kann, und sie nur mit politischer Unterstützung loswerden könnte. Auch sonst ist Wrabetz’s Leistungsbilanz durchwachsen. Seine “größte Programmreform aller Zeiten” war ein Flop, in der Frage der ORF-Zentrale geht nichts weiter, die ORF-Unterhaltung steuert zielstrebig in den Untergang, der Online-Auftritt ist Steinzeit, die Mitarbeiter vertrauen dem Unternehmen nicht und schämen sich für das Programm. Was Wrabetz jetzt als Reformpapier dem Stiftungsrat vorlegt, hätte er von Anfang an fordern müssen. Was Alexander Wrabetz geleistet hat, ist Elmar Oberhauser zum Chef der ORF-Information gemacht zu haben. Dieser scheint seinen Mitarbeitern große Unabhängigkeit bzw. Freiheit zu geben und auch einigermaßen etwas von seinem Geschäft zu verstehen (zum Nachdenken: Das (dämliche) “Extrazimmer” kam von der Unterhaltung, also Lorenz, der “Club 2″ von der Information, Oberhauser). Wer (wohl ob der Lorenz-Performance) meint, der ORF habe sich schlecht entwickelt, möge die folgenden Stichwörter betrachten, dann frei assozieren, und schauen an was er sich erinnern kann:
- Monika Linder
- Werner Mück
- Gerhard Jelinek + Sessel
- Wenn du jetzt nicht gerade Gerhard Loub bist, sind dir wahrscheinlich einige Verbesserungen eingefallen. Damals formierte sich die Plattform “SOS ORF” nach einer Aufsehen erregenden Rede von Österreichs bestem Journalisten, Armin Wolf in der dieser die politische Einflussnahme im ORF, und die neue Brutalität dabei nach der “Wende” kritisierte. Im Schatten der kommenden Nationalratswahlen formierte sich dann eine “Regenbogenkoalition” aus SPÖ, FPÖ, BZÖ und Grünen, die Monika Linder ab- und Alexander Wrabetz wählte. Der Unterschied ist also, dass es damals darum ging, den ORF einer nie dagewesenen Kontrolle durch die ÖVP zu entziehen, während es heute darum geht, die Wiederherstellung des “guten alten Gleichgewichts des Schreckens” im ORF zu verhindern. Dazu formiert sich auch dieses Mal wieder eine Plattform, sie heißt “Rettet den ORF” und wird von vielen Personen die schon bei “SOS ORF” dabei waren, unterstützt, wie etwa Peter Huemer, Robert Menasse und Alfred Noll. Gemeinsam mit “unabhängigen Tageszeitungen” wollen sie den ORF “vor seinen Rettern retten”, wie es in letzter Zeit so schön heißt. Deshalb haben folgende Zeitungen das Manifest von “Rettet den ORF” veröffentlicht:
Kurier, Der Standard, Die Presse, Wirtschaftsblatt, Kleine Zeitung, Oberösterreichische Nachrichten, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten, Falter, Die Furche
Das Manifest betont die wichtige Rolle des ORF für Österreich. Die zugrunde liegende These ist, “Der ORF muss gesundschrumpfen, um zu überleben.”. Gefordert wird also das Übliche (Parteien raus, Unabhängigkeit) von den Üblichen.

