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Mrz/10

19

Die größte Pädophilenorganisation der Welt?

Über die Ursachen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche wurde viel gesagt und geschrieben, da meiste davon ist (teils himmelschreiender) Blödsinn. Das beginnt bei den Betroffenen selbst, wo man zwar inzwischen nicht mehr in Groer-Dimensionen (also Jahren) handelt, sondern in Monaten (Vatikan) bzw. Wochen (Bischöfe vor Ort), aber leider auch viele geistig irgendwann eingefrorene Menschen in Ämter gesetzt hat, die sich nun öffentlich äußern. Etwa darüber, dass hinter der ganzen Geschichte der Satan höchstpersönlich stecke. Andererseits kann man sich aber gegen Unterstützer_innen wie Andreas Unterberger nicht wehren, weshalb man der Kirche auch sein merkwürdiges Abwiegen zwischen den besseren katholischen und den richtig schlechten linken Kinderschändern nicht vorwerfen kann.

Aber selbstverständlich macht Atheismus oder Kritik an der katholischen Kirche nicht automatisch intelligent. Wenn von der größten Pädophilenorganisation der Welt gesprochen wird, ist das lustig, aber man darf nicht vergessen, dass es vollkommen falsch ist. Die katholische Kirche ist keine kriminelle Vereinigung sondern die größte wohltätige Organisation Österreichs, keine andere kommt auch nur in die Nähe ihrer Leistungen1 Ich weiß nicht, wem geholfen sein soll, wenn man die tausenden Priester die kein Verbrechen begehen sondern vielmehr aus tiefem Glauben und echter Überzeugung aufmerksame und bemühte Seelsorger sind, und als solche für viele Menschen eine wertvolle und wichtige Stütze darstellen, angreift, beleidigt und in den Dreck zieht? Ich bin ein großer Anhänger von schwarzem, tiefem, bösem Humor, aber es ist ein Unterschied ob man unter Gleichgesinnten solche Witze macht, oder sie Menschen die sie wirklich (tief) verletzten ungefiltert und auf Repeat ins Gesicht schmeißt. Diese Menschen leiden schon an der Kirche so furchtbar, da tritt man doch nicht noch nach.

Schwere Verbrechen sind begangen worden, und zurecht werden entsprechende Vorwürfe gemacht. Aber diese an die einfachen Priester und Gläubigen zu richten, ist falsch und, absichtlich oder nicht, böse. Der Vatikan ist zurecht Ziel aller Kritik und Anwürfe. Aber auch die betroffenen Staaten selbst darf man nicht vergessen, denn wer behauptet dass Missbrauchsfälle in katholischen Klöstern irgendetwas anderes als ein offenes Geheimnis waren, der lügt (oder irrt) ganz einfach. Die Staaten haben sich einfach nicht getraut, die Kirche in ihre Schranken zu weisen und wie jeden anderen Verein gegen den solche Vorwürfe immer wieder aufkommen, streng zu beobachten. Leute wie Andreas Unterberger, die verharmlosen und ablenken, anzugreifen, ist so rational argumentierbar wie es moralisch richtig ist.

Wenn die Sprache auf die Ursachen kommt, werden viele schnell pauschal oder verharmlosend. Dabei ist es relativ einfach. Die katholische Kirche hat eine absurde und ungesunde Sexualmoral. Sex ist schlecht oder verbannt. Das zieht Menschen mit einer gestörten Sexualität, oder die ein Problem mit ihrer Sexualität haben, an. Gott, die Kirche und der Zölibat scheinen auch eine gewisse Erlösung von dem Leidensdruck unter der eigenen Sexualität zu versprechen. Wenn man sich ansieht, wie schwer es heute noch ist, Einrichtungen für Menschen mit pädophilen Neigungen einzurichten, um präventiv arbeiten zu können, dann ist denke ich sehr leicht einsehbar warum die Kirche so eine Anziehungskraft als Zufluchtsort hatte. Was sollte jemand der pädophile Neigungen hat, wie man psychische Störungen einfach hat, den machen, außer Kinder zu vergewaltigen oder sich umzubrigen?

Nun kommt aber der Zeitpunkt, ab dem die Kirchenleitung schwere Schuld auf sich geladen hat. Wenn Missbrauchsfälle bekannt wurden, wurden diese vertuscht und der Priester einfach versetzt, oft so, dass er wieder ganz allein für Kinder verantwortlich war. Das ist so falsch dass mir die Worte fehlen um es zu beschreiben, und alle die wissentlich mitgewirkt haben, sind unbeschreiblich unmoralische Arschlöcher. Etwas auf Kosten unzähliger Menschenleben so lange zu unterdrücken und zu verdrängen, wie es nur geht, obwohl klar ist, dass der ganze Dreck irgendwann ans Tageslicht kommt, weil die Opfer ja nicht verschwinden, ist so schlimm, dass der nachweislich an zumindest einem solchen Fall beteiligte Papst die moralische Autorität von einem Hundstrümmerl hat. Und das hat die katholische Kirche nur sich selbst zuzuschreiben.

  1. Wobei das Ausmaß der benötigten Almosen sehr auf ein Staatsversagen hindeutet. Eine auf Mitleid der Wohlhabenden aufbauende Spendengesellschaft in der sozialer Ausgleich privatisiert ist, scheint mir nicht wünschenswert.

Katholizismus · Menschenrechte · Moral · Religion

Mrz/10

18

FPÖ: Viel Feind, viel Ehr?

Lange Zeit dachte ich, die FPÖ hätte den anderen beiden großen Parteien gegenüber den Vorteil, nur sehr wenig sogenannte “Player” zu haben, gegenüber der Öffentlichkeit noch mehr, als in innerparteilichen Entscheidungsfindungen. Das hätte den Vorteil, dass die FPÖ sehr strategisch vorgehen kann, weil sich niemand außerhalb der Kommandokette befindet, und die eine Hand immer weiß, was die andere tut. So wie sie etwa auf sehr intelligente Weise preisgibt, wie rechts(extrem) sie wirklich ist – eine kontrollierte Provokation, ein Sturm im Wasserglas, ein halbherziges “War ja nicht so gemeint” und irgendwann kann man den antifaschistischen Grundkonsens der 2. Republik negieren, so wie man übers Wetter redet.

Langsam habe ich aber immer stärker den Eindruck, dass ich mich entweder irre, 1, oder dass die FPÖ-Zentrale vor einiger Zeit die Nerven weggeschmissen hat.

Aber schaffe wir zuerst etwas Kontext: Durch die blau/schwarze Koalition und Jörg Haiders Zerstörungswut war die FPÖ auf allen Schlachtfeldern schwer geschlagen, als H.C. Strache sich zu ihrem neuen Führer aufschwang. Bis heute lebt der Ruf der FPÖ davon, dass sie von dieser niedrigen Basis ausgehend Wahlsiege feiert. Rassismus und Hass, noch dazu wenn man sich nie beweisen muss und keine Verantwortung trägt, hat in Österreich ein ordentliches Wähler_innenpotential. Die Erfolge der FPÖ sind in dieser Hinsicht fast Selbstläufer. Ein Erfolgslauf, der viele an die Haider-FPÖ der 90er erinnert. Doch mit der Distanz werden die Unterschiede zur Strache-FPÖ deutlich.

Mit beiden Versionen der FPÖ taten sich die Meinungsforscher_innen schwer. Doch während bei Jörg Haider der Effekt, dass viele FPÖ wählten aber sich nicht dazu bekannten, dazu führte, dass die FPÖ oft unterschätzt wurde, hat sich der Effekt inzwischen umgekehrt. FPÖ zu wählen, ist nichts wofür man sich heute groß schämen würde. Aber die Strache-FPÖ bleibt regelmäßig unter den Erwartungen zurück. Da mag auch der Umstand, dass Strache genau drei Rollen kann (Schwiegersohn, Rechtsextremer, Disco) eine Rolle spielen, einem Vergleich mit Haiders regelrecht legendärer Wandlungsfähigkeit hält er nicht stand.2

Warum dieser vergleichende Rückblick? Weil entweder darin die Ursache einer wesentlichen Eigenschaft der Strache-FPÖ liegt, oder aber es eine Folge dieser Eigenschaft ist – ihrem anscheinend unkontrollierten agressiven Auftreten.

Ich ging ja wie gesagt von einem strategischen Vorgehen der FPÖ aus. Aber wenn eine Partei auf alles was ihr in den Weg kommt, gleich wie unwichtig es ist, einfach mit Angriff reagiert, und das in einem Ausmaß dass alle die es sehen, die FPÖ für eine Krawallpartei halten müssen, kommen mir starke Zweifel. Wenn man jeden Kommentar, jede Kritik, jede Meinungsumfrage als Teil der Weltverschwörung gegen die FPÖ frontal angreift, dann macht man sich nicht nur Feinde, sondern wirkt auch nicht übertrieben cool. Keine Partei in Österreich kann es sich z.B. in Hinblick auf ihr Wähler_innenpotential leisten, die katholische Kirche anzugreifen (die Grünen vielleicht ausgenommen), schon gar nicht eine Partei der “kleinen, ordentlichen Leute” die eben noch versucht hat, das Christentum an sich (zumindest in einer Definition die die liberalen, linken Ketzer_innen von den Evangelischen Kirchen ausschließt) zu vereinnahmen. Die FPÖ aber, und damit ist nicht nur der homophobe tiroler Sprücheklopfer gemeint, tut das. Mitten in einem Wahlkampf für ein staatstragendes Amt. Die FPÖ befindet sich auf Konfrontationskurs mit allem und jedem. Hinter jedem Busch lauert eine Verschwörung, wer nicht bedingunglos zur FPÖ steht, ist der Feind.

Vielleicht befindet sich die FPÖ gerade in einer interessanten Wechselwirkung zwischen den inzwischen regelmäßig unter den Erwartungen (und Möglichkeiten) bleibenden Wahlergebnissen (und Umfragen – die große Koalition legt kontinuierlich an Zustimmung zu, die FPÖ stagniert) und ihrem hypernervösen und aggressiven Auftreten.

Um noch einmal auf Jörg Haider als Maßstab zurückzugreifen – bei allem braunen Bodensatz und bei allen Proteststimmen – seine größten Erfolge feierte er, weil die Leute glaubten und wollten, dass er es anders, besser macht. Deshalb wurde er zum Landeshauptmann von Kärnten gewählt. Diese Wähler_innen dürften zwischen den nationalen Wähler_innen, die sicher den geringsten Anteil haben und den Protestwähler_innen, die wohl die größte Gruppe der FPÖ-Stimmen ausmachen, ein signifikatner Bestandteil der Haider-Erfolge gewesen sein. Strache wählen sie nicht. Und solange die FPÖ so weitermacht, wird Strache gewählt, um “denen da Oben” einen Denkzettel zu verpassen oder weil man alles Fremde fürchtet und hasst. Aber dass er wirklich in die Regierung kommt, wollen wohl selbst unter seinen Wähler_innen viele nicht.

  1. Nicht hinsichtlich der Führungsstruktur, sondern hinsichtlich deren vielleicht doch nicht so strategischem Vorgehen
  2. Der Vergleich ist wichtig, da rechtspopulistische Parteien nuneinmal von ihrer Führungsfigur leben

FPÖ · Populismus · Rassismus

Mrz/10

17

Was man über Apartheid wissen könnte

Die Apartheid, heute ein Synonym, meint die institutionalisierte Rassentrennung die in Südafrika bis 1994 Realität war. Ich werde hier nicht die Geschichte von Nelson Mandela erzählen, habe aber da heute vor 18 Jahren ein bedeutenter Schritt im Prozess der Aufhebung der Apartheid gesetzt wurde (68,7 % der weißen Bevölkerung stimmte in einem Referendum für die Aufhebung), ein paar vielleicht nicht ganz uninteressante Informationen gesammelt.

Dazu zähle ich den Umgang der internationalen Gemeinschaft mit dem Apartheitsregime. Etwa, dass die USA im Sicherheitsrat der UNO ingesamt 13 Mal ein Veto gegen eine gegen Südafrika gerichtete Resolution einlegten. Und das lag auch im Interesse Deutschlands, denn noch vor den us-amerikanischen Unternehmen waren es deutsche (insbesondere Banken) die gute Geschäfte mit Südafrika machten, selbstverständlich auch nach 1973, als die Vollversammlung der Vereinten Nationen die Apartheid als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannten (momentan versuchen diese Unternehmen gerade, einem Milliarden-Prozess darüber zu entkommen, Daimler behauptet in diesem Rahmen sogar unter den Vorreitern der Kämpfer gegen die Apartheid gewesen zu sein).

Dabei wird dies heute vielfach noch immer so interpretiert, dass der Westen das Regime in seinem Kampf gegen die Ausbreitung des Kommunismus unterstützt hätte, obwohl es wohl weniger mit Ideologie als mit Handelsbeziehungen und den südafrikanischen Uranvorkommen zu tun hatte.

Als letzte große Unterstützerin des Apartheidsregimes kann man Margaret Thatcher in Erinnerung behalten. Ihre Politik führte dazu, dass die Commonwealth Games von 1986 von 32 der 59 Commonwealth Staaten boykottiert wurden. Der Afrikanische Nationalkongress (ANC) war für sie eine terroristische Organisation. Der heutige Voristzende von Thatchers Conservativ Party, David Cameron, ging 2006 deutlich auf Distanz zu Thatchers Position und entschuldigte sich dafür.

Staaten die sich früh durch eine offene Ablehnung der Apartheid, Boykotts Südafrikas und/oder Unterstützung für die nicht-weiße Bevölkerung auszeichneten, findet man unter den, uns zivilisatorisch ja ach so weit nachhinkenden Schwellen- und Entwicklungsländern, etwa Indien oder Iran.

Apartheid · England · Rassismus · Südafrika · USA

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